"Drei Zypressen", von Saliha Scheinhardt. Ein Buch über türkische Frauen zwischen ihrer Heimat und Deutschland, der islamischen und einer "aufgeklärten" westlichen Kultur. Frauen, die es gewöhnt sind, Eigentum ihrer Männer zu sein, zugleich aber die Solidarität der anderen Frauen, die dieses Schicksal teilen, verloren haben. Frauen, die es zu Haus hinnehmen, von der Familie verheiratet, von den Männern mit Gewalt beherrscht zu werden und die in Deutschland nicht frei sein können, auch wenn sie versuchen, sich von ihren Traditionen zu befreien: "Ich liebe meinen Mann, ich liebe meinen Vater. Ich liebe meinen Mann wie meinen Vater. Ich verachte meinen Mann und kann es nicht laut sagen. Er ist ein Mann. Ich hasse meinen Vater und darf es nicht zeigen. Er ist ein Mann." Saliha Scheinhardt, mit einem Deutschen verheiratet, erzählt drei Biographien von Türkinnen, die gewaltsam aus ihrem Dorf nach Deutschland gebracht wurden, oder die dort in der zweiten Generation aufgewachsen sind. Der erste Lebenslauf ist einfühlsam geschrieben. Ruhig und undramatisch schildert die Autorin die große Diskrepanz zwischen dem Leben der jungen Yülnaz im Heimatdorf und dem in Deutschland. Die anderen beiden sind überladen mit Klischees der Angst und der Gewalt, wie sie sich mit unter den Augen von Sozialarbeiterinnen sammeln mögen, die es nur mit gescheiterten, gebrochenen Frauen zu tun haben. Brutalität ist das herrschende Motiv. Mit Schlägen regieren die türkischen Männer ihren wichtigsten Besitz in der Fremde, Ehefrauen und Töchter. Und die Frauen? Die meisten nehmen es hin: "Ich küsse deine Hände und deine Füße, schlag mich etwas weicher, laß mich dein Sklave sein, aber stoß mich nicht aus." Ihre Situation ist oft ausweglos. Ohne Beruf sind sie ihren Männern ausgeliefert und fürchten nur eins: ohne Schutz allein zu sein. (Express Edition, Berlin, 1984; 137 S., 16,80 DM.)

Elke von Radziewsky

"Deutsch als Aufgabe und Vergnügen", von Gerhard Storz. Der 1983 Verstorbene gehörte zu dem in Deutschland seltenen Typus des komme des lettres. Robert Minder verglich seine Doppelleistung als Staatsmann und produktiver Schriftsteller mit der von Theodor Heuss. Dem weithin bekannt gewordenen "Laienbrevier über den Umgang mit der Sprache" (1937), das sich nach dem

Krieg unter dem verknappten Titel "Umgang mit der Sprache" erneut präsentierte, folgt nun ein gleichsam zweiter oder ergänzender Band "Deutsch als Aufgabe und Vergnügen", von dem der Verlag leider nicht angibt, ob er von Storz noch zu Lebzeiten so konzipiert war oder eine von einem Herausgeber besorgte Zusammenstellung von Nachlaßtexten ist. Der Rezensent gesteht, daß ihm dieser zweite Umgang oder Lehrgang, den Storz durch die vielschichtige Thematik und Problematik der deutschen Sprache unternimmt, in der Tat uneingeschränktes Vergnügen gemacht hat. Storz ist Liebhaber und Meister der Sprache, Advokat der vielgeschmähten grammatikalischen und syntaktischen Künste (übrigens sachkundiger Ankläger der semantischen Sprachlosigkeit), von souveräner Gelassenheit, die ihm erlaubt, alles blinde Eifern zu vermeiden und statt dessen ruhig und bis ins Detail genau zu argumentieren. Ein Vergnügen ist es in der Tat, sich von Storz etwa über den in unserer Zeit an Hand des verfügbaren Wortvorrats und der Wortwahl erkennbaren Sprachwandel, den Sinn der Großschreibung und der Zeichensetzung belehren zu lassen, über die Berechtigung, ja Notwendigkeit, auch heute Sprachrichtigkeit zu fordern (was in den Schulen oft sträflich vernachlässigt wird), oder das Jonglieren mit so windigen Begriffen wie kommunikative Kompetenz oder Hochsprache als politisch zu verstehende Täuschung zu durchschauen. Eine solche liegt der Definition der Sprache als "Machtinstrument der herrschenden Klasse" zugrunde (als, so Storz, "bloßes Transportmittel für Inhalte"). Ihr steht die gewiß menschlichere gegenüber, daß "der sprachliche Ausdruck ein Zeichen der Gesittung" sei. (Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 1984; 163 S., 24,– DM.)

Martin Kießig

"Bayerische Biographie – 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten", herausgegeben von Karl Bosl. Die Regionalisierung schreitet auch bei Lexika und anderen Nachschlagewerken munter fort. Und das ist auch gut so. Denn sucht man beispielsweise in der "Allgemeinen Deutschen Biographie" oder der "Neuen Deutschen Biographie" nach Personen, die nur von begrenzter landschaftlicher Bedeutung sind, so blättert man meist vergebens. Umso erfreulicher ist es, daß Karl Bosl, eremitierter Professor für bayerische Landesgeschichte an der Universität München, einer der besten Kenner der Materie, ein Lexikon herausgegeben hat, das rund 8000 Personen aus 1500 Jahren bayerischer Geschichte in Kurzbiographien vorstellt: Äbte und Architekten, Baumeister und Braumeister, Könige und Komponisten, Maler und Mätressen, Techniker und Tuchmacher, Volksschauspieler und Volkstribunen, die in Bayern gelebt, gewirkt, geforscht, gearbeitet oder regiert haben, sind hier mit ihren wichtigsten Werken, Taten (und Untaten) alphabetisch aneinandergereiht. Freilich sind nicht alle Beiträge der 27 (meist jüngeren) Autoren gleich gut und gehaltvoll, und es fehlen, seltsam, auch so berühmte Einheimische wie Carl Orff, Werner Egk oder Johannes R. Becher und so renommierte "Zuagroaste" wie Thomas Mann (samt seinem literarischen Familienanhang). Ein Ergänzungsband ist immerhin schon in Bearbeitung. (Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 1983; 918 S., 93,– DM.)

Hannes S. Macher