Die alte Musik steigt übers Meer, mit vollen Händen kommt der Wind von Norden

und würfeltnaß die Schiffe auf den Sand:

das Spiel ist aus, die schönen Leiber leer, beizeiten jung, so bin ich alt geworden

und kalt die Wolke in der Hand.

Ein Dichter schreibt sein Gedicht nicht allein; immer schreibt etwas mit, was aus seinen Erinnerungen, Erfahrungen, Einsichten kommt. Die Umgebung, in der das Gedicht entsteht, schreibt mit; sie erzeugt Stimmungen und Bewußtsein. Ans Meer gehen und schreiben, dort, wo die Welt nur als Wasser, Horizont und Sand erscheint, was fällt alles ab und verzieht sich, Gesellschaftliches, Arbeitszwänge, Familie und Staat, diese ganzen erzwungenen Interessen und Engagements. Nur mir bin ich nah, meinem Leben.

Ein Leben, untergebracht in einem kurzen Lied, das sich so einfach wie schön liest; dessen stille, resignative Einsicht gar nichts Verdrossenes, Verbittertes, Endzeitliches hat, sondern heiter fast und weise klingt: beizeiten jung, so bin ich alt geworden.

Die Hinfälligkeit der eigenen Existenz, in diesem Gedicht bedarf sie nicht der großen Krisen und Zusammenbrüche, all der Vernichtungsvorgänge, man kennt sie ja, im Alltag. Drei Zeilen, drei poetische Nachrichten vom zeitlosen Meergeräusch, vom Wind und von den Dingen, die er spielerisch zerstört, bringen genug Voraussetzung mit, den Lebenslauf zu begreifen, die Konsequenzen, auch nur in drei Zeilen, zu beschreiben. Das Ende vom Lied: nichts geht mehr; vorüber die Saison der Schönheit, der Sinnlichkeit und der Jugend; ein naßkaltes Nichts in der Hand, die nach den Sternen der Illusion griff – das Lied vom Ende, wenn und wie es einst kommt, dann singen wir es so? Ein Dichter schreibt sein Gedicht nicht allein; immer schreibt etwas mit, was aus unseren Hoffnungen, Ängsten, Möglichkeiten kommt.