Ein in die Öffentlichkeit geratenes internes Strategiepapier der Lufthansa zeigt, daß der gute Ruf der Fluglinie unter Vielfliegern abzubröckeln droht.

Geschäftsreisende an Bord der Lufthansa-Jets werden unzufriedener: Sowohl auf dem Nordatlantik als auch in Europa halten schon über 50 Prozent der umworbenen Vielflieger das Konkurrenzangebot für besser oder zumindest gleich gut. "Der verbliebene Vorsprung droht sich damit", so heißt es in einem "Positionspapier" des Unternehmens, "im wesentlichen auf das umfangreiche Flugplanangebot und die Attraktivität des Umsteigepunktes Frankfurt zu reduzieren."

Grund der Unzufriedenheit: Vollzahlende Geschäftsleute haben es oftmals nicht bequemer als die Touristen mit den preiswerten Flugscheinen. Im Europa- und Deutschlandverkehr bestehen sogar überhaupt keine Qualitätsunterschiede: Ob Sonder- oder Normaltarif – an Bord bleibt das Produkt stets das gleiche. Veränderungen in der Business-Class sind allerdings vorgesehen.

Ein weiteres Problem zeigt der Vorstand des Staatsbetriebes in seinem Dokument "zur strategischen Konzernentwicklung" auf: Obwohl 53 Prozent der internationalen Passagiere bereits ein Ticket aus dem reichhaltigen LH-Sonderangebot gekauft haben, leidet das Unternehmen noch immer unter dem "Ruf eines Hochpreiscarriers".

Dennoch stehen die Zukunftschancen der westdeutschen Staatsluftlinie – der Marktanteil auf jeder zweiten Route ins Ausland liegt immer noch unter 50 Prozent – im Wettbewerb mit anderen Gesellschaften nicht schlecht: Auf vier von fünf sogenannten "Streckenbündeln" bestehen Wachstumschancen. Dabei gelten als besonders zukunftsträchtige Märkte die beiden "Rennstrecken" des Weltluftverkehrs: Nach Nordamerika rechnet die Lufthansa in den nächsten acht Jahren mit jährlichen Zuwachsraten von drei bis fünf Prozent – nach Nah- und Fernost sollen sogar sechs bis sieben Prozent Zuwachs per anno möglich sein. Der innerdeutsche und grenzüberschreitende Verkehr wird dagegen nach dieser Einschätzung nur "moderat" zunehmen: Wachstumsraten zwischen zwei und vier Prozent werden bis 1992 pro Jahr angestrebt.

Freilich hat die Lufthansa auch ihre "Sorgenstrecken": Die Verkehre in den Süden der USA, nach Ostafrika, Australien, Spanien, Portugal, in die Niederlande, nach Israel, Ägypten, Jordanien, Belgien, Irland und an die Ostküste Südamerikas unterschreiten oftmals die Grenze zur Rentabilität. tdt