Am 22. Oktober starb sechsundsiebzigjährig der englische Germanist und Lexikograph Trevor Jones, weithin in den Ländern deutscher Sprache durch sein großes deutsch-englisches Wörterbuch bekannt, "Harrap’s Standard German and English Dictionary", von dem der dritte und vorläufig letzte Band Deutsch-Englisch L-R 1974 erschien. Verlagstechnische Produktionsschwierigkeiten hatten das auch in Deutschland begrüßte Unternehmen zum Stillstand gebracht; jetzt ist es an die Oxford University Press übergegangen, die mit dem Erscheinen eines vierten Bandes 1990 und eines Schlußbandes 1993 rechnet. Jones war schon während des Zweiten Weltkrieges mit lexikographischen Arbeiten beauftragt worden; 1950 begann er das von Grund auf völlig neue Unternehmen, das alle Hauptgebiete des Wissens umfaßte und das er neben seiner intensiven Lehrtätigkeit an der Universität Cambridge mit Hingabe leitete.

Jones ist 1908 in der Hafenstadt Cardiff geboren und fuhr schon als Gymnasiast auf deutschen Frachtern nach Hamburg. An der Universität Cambridge studierte er Germanistik und Romanistik und kehrte 1932 nach einem kurzen Forschungsaufenthalt am Goethe-Schiller-Archiv in Weimar nach Cambridge zurück; bis auf die kriegsbedingte Unterbrechung blieb er dort sein Leben lang als Fellow von Jesus College und Reader für deutsche Philologie. Seine Sprachübungen und seine Vorlesungen über die deutsche Sprache der Gegenwart waren mit Recht berühmt. Daneben entfaltete er eine erfolgreiche Tätigkeit in den verschiedenen Schulprüfungskommissionen, wo er sehr auf Niveau und fundierte Beherrschung derFremdsprachachtete. Er selbst sprach ein akzentfreies, leicht holsteinisch gefärbtes Deutsch. Sein umfassendes Wissen wurde direkt, ohne den Umweg über den Druck, in seiner Lehrtätigkeit verwertet; die Forschungen, die andere in Zeitschriftenartikeln und Abhandlungen veröffentlichen, versteckte er in den gedrängten Einträgen seines Wörterbuches. Mit Recht verlieh ihm das Goethe-Institut die Goldene Medaille.

L. W. Forster