New York
Was ihr die Etikette während des Wahlkampfs verboten hatte, holte Geraldine Ferraro auf der Landebahn des Washingtoner Flughafens nach: Sie umarmte und küßte Walter Mondale, ihren running mate von gestern.
Gestern: der längste Tag, an dessen Ende die letzten drei Monate sich in Nichts auflösten. Umsonst der lange Treck, den Geraldine Ferraro in dreißig Staaten und Hunderte von Städten und Dörfern führte. Vergeblich auch ihre Botschaft eines fairen und barmherzigeren Amerikas. Unnötig vor allem die öffentliche Verunglimpfung ihrer verstorbenen wie lebenden Familie, die als Italo-Amerikaner zu unrecht an den Mafia-Pranger kam. Geraldine Ferraro blieb, auch in der großen Niederlage, die Frau, die als Kandidatin für das zweithöchste Amt der USA ihre Reifeprüfung mit Stil und Substanz absolvierte.