Schon vor Jahren, zum 11. rumänischen Parteitag, verkündete ZK-Sekretär Popescu: "In der Vergangenheit hatten sie Julius Cäsar, Alexander den Großen, Perikles, Cromwell, Napoleon, Peter den Großen, Lincoln. Wir hatten Mihai, Stefan, Cantemir ... Jetzt haben wir Nicolae Ceausescu." Rumänien – tu felix – hat dank byzantinischer, balkanischer und brüderlicher Bande nicht nur einen, sondern zwei Nicolae Ceausescus. Der gleichnamige Bruder des ämterreichsten kommunistischen Parteichefs der Welt ist Rektor der Akademie des Innenministeriums.

Während in Vorbereitung des 13. Parteitages in dieser Woche seit Monaten Sündenböcke für das Siechtum des Landes gesucht und gefunden wurden, erhebt Ceausescu die eigene Familie ins Dynastische. Das Pflänzchen Nicu (32) wächst unterm "Eichenzweig der Friedens", Nicolae (66) nach koreanischem Vorbild zum präsumptiven Nachfolger heran. Präsidentengattin Elena trägt eine Schleppe von höchsten Ämtern. Bruder Gheorghe Petrescu ist stellvertretender Ministerpräsident, Bruder Ilie Ceausescu stellvertretender Verteidigungsminister, Bruder Ion stellvertretender Planungschef.

Woher aber die Sündenböcke noch nehmen, wenn der Orden am Ende alle Ämter innehat? Man sieht: Auch Ihm, dem "arbeitsamsten aller Arbeiter" (Parteigedicht), sind Grenzen gesetzt. Vom rumänischen Volk, das Ceausescus Ehrgeiz mit bitterer Armut bezahlt, ganz zu schweigen.

C. S.-H.