Was bedeutet schon ein Triumph, wenn man ihn nicht voll auskosten kann? Nachdem Köln nun endgültig über Düsseldorf im Kampf um den internationalen Kunstmarkt gesiegt hat, mußte auch ein neuer Name her, der den nunmehr alleinigen Veranstaltungsort würdigt. "Art Cologne" heißt jetzt das Unternehmen, das 1967 von achtzehn "progressiven" Galerien als schlichter Kunstmarkt in der Domstadt gegründet worden war.

Gerade der Versuch, sich ein gewisses internationales Flair zu geben, weist indessen um so deutlicher auf einen eher provinziellen Minderwertigkeitskomplex hin, den die Rheinländer immer schon gegenüber den weltläufigen Schweizern gehegt haben, die in Basel ihre internationale Kunstmesse unter dem schlichten Titel "Art" veranstalten. Seit einigen Jahren ist sogar ein neuer Stern unter den Kunstmärkten im fernen Chikago aufgegangen, dessen beunruhigende Strahlkraft vor allem von einem unbegreiflich hohen Dollarkurs herrührt. Entsprechend sind die Veranstalter denn auch auf die Beteiligung amerikanischer Galerien fixiert, die in diesem Jahr erstmals wieder stark in Köln präsent sind.

Die Stadt Köln hat sich da nicht lumpen lassen wollen und eine Sonderschau, "Szene New York", mit 250 000 Mark subventioniert, die wie eine Werbeveranstaltung für die wenigen Amerikaner wirkt. Das, was da allerdings von Rudolf Zwirner zusammengetragen worden ist und was die amerikanischen Galerien gleich nebenan in ihren Kojen zu exorbitanten Dollarpreisen anbieten, erscheint eher als der letzte Ausverkauf eines neoexpressiven Malbooms, der nun endgültig an innerer Auszehrung dahinsiecht. Ob das nun die platten Pornofigürchen eines Tom Otterness oder der krude Realismus von Richard Bosman und Eric Fischl sind, als ernsthafte Beiträge zur zeitgenössischen Kunst lassen sich diese amerikanischen Malversuche kaum akzeptieren. Allenfalls die überdimensionierten Strichzeichnungen von Keith Haring und die witzigen Hängeplastiken von Steve Keister ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Was da noch einmal als intellektueller Trend propagiert werden soll, ist in seiner europäischen Ausprägung bereits auf dem Rückzug. Die sogenannte "wilde" Malerei kann nicht mehr die Vorherrschaft für sich beanspruchen. Paul Maenz, ihr Propagandist und finanzieller Nutznießer, widmet ihr sogar einen nicht unwitzigen Abgesang mit der Präsentation einer Gruppe aus Berlin-Kreuzberg mit dem bezeichnenden Namen "End Art": Bastelarbeiten zu Niedrigpreisen, die am Eröffnungsabend bereits ausverkauft waren. Bedauernswerte Sammler, die auf solche Gags hereinfallen!

Im soliden Mittelfeld allerdings kann sich das Angebot dieser Messe sehen lassen. Am auffälligsten ist die breite, qualitativ hervorragende Präsentation der Kunst der sechziger Jahre. Die Künstler der ZERO-Gruppe beispielsweise sind durchweg mit Spitzenwerken vertreten. Günter Ocker zeigt neben einigen älteren Museumsstücken gleich in mehreren Galerien (Reckermann, Storms, Schoeller) neue Nagelbilder, die ihn als einen der vitalsten und beständigsten Künstler seiner Generation ausweisen. Heinz Mack ist bei Mayer mit seiner frühen Holzplastik vertreten, die ein neues Licht auf seine spätere Entwicklung wirft, und Gotthard Graupner präsentiert eines seiner besten Bilder der letzten Jahre – freilich außerhalb der Messe, bei Reckermann.

Auch für kunsthistorische Bewertungen gibt diese Messe einiges her. So behauptet sich bei Zwirner (zusammen mit Spovieri) ein sensationelles Metallbild von Fontana gegenüber einem hervorragenden Tanguy. Im Spitzenangebot der klassischen Moderne sind allerdings deutliche Abstriche gegenüber Basel zu beobachten, wenn auch so potente Galerien wie Gmurzynska (mit einem bereits auf der Pariser Fiac gezeigten Monumentalentwurf "Die Taucher" von Leger für 800 000 Dollar), Juda/Rowan mit einem wundervollen Vantongerloo, Mayer mit Bill und Albers, Brackstedt mit seltenen Arbeiten von Otto Freundlich durchaus Museumsqualität bieten.

Die äußere Form dieser Messe ist publikumsfreundlich umgestaltet worden. Fünfzig Millionen Mark hat die Messegesellschaft investiert, um die Halle zu renovieren, und der Bundesverband hat ein aufwendiges Beleuchtungssystem installiert, das allerdings nicht bei allen Galerien auf Begeisterung gestoßen ist. Das gleichmäßige Flutlicht von der Hallendecke läßt individuelle Beleuchtungseffekte nicht mehr zu und viele Arbeiten wirken dadurch wie an die Wand geklatscht. (Darunter leidet im übrigen auch die Präsentation des Kunstmuseums Bern, das leider die bisher schwächste Selbstdarstellung in der Reihe der Museumsausstellungen im Rahmen des Kunstmarktes bietet.)