Daß ein Branchenführer alle Speerspitzen auf sich zieht, ist nicht weiter verwunderlich. Aber so wie der Stromriese RWE hat in letzter Zeit selten ein Unternehmen unter Beschuß gestanden. Neben dem Vorwurf, das RWE mauere beim Umweltschutz, geht es vor allem um eine angebliche Verfilzung von RWE und kommunalen Würdenträgern in seinem Versorgungsbereich.

Da fällt in der Tat auf, daß es im – aktienrechtlich nicht vorgeschriebenen – "Verwaltungsbeirat" des RWE von kommunalen Spitzenbeamten und Oberbürgermeistern nur so wimmelt. Das ist freilich keine Spezialität des RWE, andere Stromversorger verfahren ähnlich – was die Sache nicht einfacher macht.

Dabei ließe sich dem Vorwurf, hier herrsche so etwas wie "Stromfilz", leicht begegnen. Man müßte nur die Beiräte auflösen. Für berechtigte Wünsche des RWE werden Oberkreis- und Oberstadtdirektoren wohl auch ein offenes Ohr haben, wenn sie ihm nicht durch eine Beiratstätigkeit verbunden sind.

Will man aber unbedingt an den Beiräten festhalten, dann würde es ja schon genügen, den Vertretern von Gemeinden und Kreisen für ihre Beiratstätigkeit keine Vergütung mehr zu zahlen. Die Annahme, daß sie dieser Tätigkeit ohnehin während ihrer Dienstzeit nachgehen, ist ja wohl nicht unrealistisch. Solange das RWE seinen 73 Beiratsmitgliedern durchschnittlich fast 14 000 Mark im Jahr zahlt, wird der Verdacht nicht verstummen, dafür werde kommunales Wohlwollen erkauft. hgk