ZEIT: Herr Pieper, die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern des Ruhrgebiets, bei der Ihr Haus federführend war, hat ein zwiespältiges Ergebnis gebracht. Obwohl es den befragten Unternehmen im Durchschnitt besser geht als im Frühjahr, beurteilen sie ihre Zukunftschancen weniger positiv als damals.

Pieper: In der Tat zeigt die objektive Datenlage, daß im Vergleich zum Frühjahr und insbesondere zu den letzten Jahren eine Besserung eingetreten ist. Es ist richtig, daß die Zukunft zurückhaltender beurteilt wird als bei der letzten Umfrage, aber es gibt ja auch positive Erwartungen. Für den Meinungswandel ist nach meiner Auffassung ein zunehmendes Maß an Unsicherheit verantwortlich.

ZEIT: Unsicherheit worüber? Pieper: Ich möchte da unterscheiden zwischen einem objektiven und einem mehr subjektiven Element. Zunächst einmal ist der Export der wesentliche Motor der konjunkturellen Besserung. Und die hier erzielten Erfolge sind ganz wesentlich der rasanten Aufwärtsentwicklung des Dollar-Kurses zu verdanken. Hier weiß man nicht, wohin die Reise gehen wird.

Ein weniger objektives Element ist die Einschätzung der politischen Entwicklung. Hier gibt es sowohl eine gewisse Unsicherheit über die Stärke der Regierung in Bonn in bezug auf ihre Entscheidungskraft als auch – nach der Kommunalwahl und vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen – Unsicherheit darüber, wie denn künftig Mehrheiten aussehen werden.

ZEIT: Hat das Ruhrgebiet Anschluß an die allgemeine Konjunkturentwicklung gefunden?

Pieper: Das kann man sagen, aber damit ist kein einziges unserer Strukturprobleme gelöst.

ZEIT: Besteht nicht sogar die Gefahr, daß eine konjunkturelle Besserung die Bemühungen um einen Strukturwandel bremst?