Politik als Beruf: Wer erfolgreich sein will, muß sich früh anpassen

Von Christian Graf von Krockow

Flick-Affäre und kein Ende: Wie kommt es zur engen Beziehung von Geld und Macht? Wohin entwickeln sich die Parteien und welchen Politiker-Typus fordern sie? In lockerer Folge schreiben angesehene Wissenschaftler für die ZEIT über Ursachen und Konsequenzen des Skandals

Ach, wo sind sie alle nur hin, die knorrigen, kantigen Persönlichkeiten, die das Bild der Politik in der schlimmen, guten Nachkriegszeit geprägt haben von A bis Z: von Adenauer und Arnold über Brauer, Dehler, Kaisen, Kaiser, Kopf, Maier, Reuter, Schmid und Weichmann bis Zinn? Warum hat sogar Herbert Wehner uns verlassen? Woher stammt dieser polierte, wieselige, wendige, geölte, salbadrige Typus, der inzwischen und offenbar immer mehr das Feld beherrscht? Haben alle Adern des "Urgesteins" sich erschöpft, gibt es keine Männer mehr – und gar keine Herren?

Eigentlich, nach den Rechnungen statistischer Wahrscheinlichkeit, müßte es doch eher umgekehrt sein. Die erzwungene Emigration, Konzentrationslager und Krieg, der Galgen in Plötzensee hatten unter den alten Eliten furchtbar aufgeräumt. Seither aber sind fast vierzig Jahre vergangen, Jahrzehnte der Normalität: samt Kindertagen im Dritten Reich genug Zeit, um eine neue, kraftvolle Führungsschicht heranwachsen zu lassen..

Doch womöglich stellt gerade diese gewachsene Normalität das Problem dar. In der "Stunde Null" wenigstens der Institutionen und Apparate konnte die Zügel ergreifen, wer nur den klaren Willen und eine feste Hand hatte, es zu tun. Konrad Adenauers Weg zum Vorsitz der CDU und zur Kanzlerschaft ist dafür so exemplarisch wie Ludwig Erhards Ausspruch legendär – auf alliierte Vorhaltungen nach der Währungsreform, daß er bestehende Vorschriften nicht eigenmächtig ändern dürfe: Er habe sie gar nicht geändert, sondern bloß abgeschafft. Die Männer des Neubeginns mußten sich nicht anpassen, weil sie den Bezugsrahmen für eine künftige Normalität überhaupt erst zimmerten. Als diese dann mächtig wurde, waren sie längst etabliert. Dennoch hatten sie es unter den veränderten Vorzeichen schwer genug, sofern sie es nicht vorzogen, beizeiten zu sterben; man erinnere sich an Adenauers qualvoll hingezogenen, schließlich erzwungenen Abschied von der Macht, an Erhards Scheitern als Kanzler.

Nützlich, fleißig, emsig