Vom Deutschen Sportbund und der Fußball-Bundesliga bis zu den Volkshochschulen oder dem Verlagswesen könnte man noch viele Bereiche untersuchen; stets würde man auf ähnliche Entwicklungen stoßen, nur im mehr oder minder fortgeschrittenen Stadium. Und zudem noch hätte man längst schon erkennen und vorhersagen können, was sich vorbereitete und vollzog: an unserer amerikanischen Zukunft. Denn dort, in den Vereinigten Staaten, ist sie schon vor Jahrzehnten analysiert worden. Man lese William H. Whyte, "The Organization Man" (deutsch: Herr und Opfer der Organisation) oaer David Riesman, "The Lonely Crowd" (deutsch: Die einsame Masse – Eine Untersuchung der Wandlungen des amerikanischen Charakters). Beides sind Bücher aus den fünfziger Jahren; beide haben mit ihren Analysen uns inzwischen eingeholt. Riesman spricht anschaulich vom älteren, "innengeleiteten" Typus, der vom "außengeleiteten" abgelöst wird. Der eine wurde gewissermaßen vom inneren Kreiselkompaß gesteuert, der andere tastet seine Umgebung wie mit einem Radargerät nach den immer wechselnden Situationssignalen ab, um geschmeidig sich anzupassen.

Riesman griff übrigens auf Alexis de Tocqueville zurück, der schon vor anderthalb Jahrhunderten – 1835! – in seinem großen Werk "Über die Demokratie in Amerika" den raschen Abfall der Politiker ins wendige Mittelmaß beschrieb, im Kontrast zur ragenden Größe der Gründerväter.

Kehren wir nun zu unserem hoffnungsvollen Nachwuchsmann zurück! Inzwischen ist er in Bonn angekommen, nicht mehr jung jetzt, aber beileibe auch noch nicht alt, sondern in einem schwer bestimmbaren Zwischenstadium. Ähnliches gilt für die Karriere: Wir haben bereits einen Vorderbänkler vor uns, einen Ausschußvorsitzenden und Fraktionsobmann, mit vielen Aufgaben betraut. Ob allerdings der Weg noch weiter und ganz nach oben führen wird, scheint ungewiß.

Eine zerbrochene Ehe blieb am Wegesrand schon zurück, und man munkelt... – aber lassen wir das. Unübersehbar ist indessen das Übergewicht, das unser Mann sich zugelegt hat, eine

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Konsequenz der Bewegungsarmut bei aller Bewegtheit von Sitzung zu Sitzung. Auch trinkt er mehr und härter, als seiner Leber guttut.

Noch auffälliger wirkt eine notorische Gehetztheit. Dieser stets überfüllte Terminkalender, sei es in Bonn, im heimischen Wahlkreis oder wo immer. Und überall wird mehr Zeit als vorgesehen verbraucht. Präsent sein ist eben alles. Denn wenn einst in der sogenannten guten Gesellschaft notorisch schlecht von denen gesprochen wurde, die vorzeitig gingen, dann bleibt es jetzt nicht mehr beim Klatsch und Tratsch. Sondern es geht ums Überleben; Beschlüsse stehen nicht am munteren Anfang, sondern am überreizten Ende der Sitzung, und die Querschläger in der hohen Kunst der Querschießens treffen um all ihre Ecken den Abwesenden. Selbst wenn dies gar nicht der Fall ist, treibt doch die Angst um, es Könnte so sein.