Friedlich und heiter

Fröhlich und sorgenfrei blicken ältere Mitbürger vom Umschlag des "Ratgebers für ältere Mitbürger", den Bundesfamilienminister Heiner Geißler gerade herausgegeben hat. Er soll durch das Labyrinth von Anspruchsberechtigungen und Gesetzen führen. "Wenn Sie wollen, kommt Hilfe ins Haus", verspricht der Ratgeber, sei’s für "besondere Lebenslagen", oder als "gezielte Hilfe für ältere Menschen".

Wen die fürsorgliche Eigenwerbung in Sachen soziales Netz nicht von der Lektüre abhält, der kann sich über die "richtige Wohnung zum Älterwerden" informieren und den Rat einhandeln, "sich von überflüssigen Möbeln, die nur die Wohnungsreinigung erschweren", zu trennen.

Einsamkeit? Der kompetente Ratgeber hält auch hier gleich die Lösung parat: "Niemand muß allein sein im Alter", behauptet er. Wer’s nicht glaubt, dem wird der Besuch eines Altenklubs empfohlen oder nahegelegt, beim Sport auf "nette Leute" zu treffen.

Mit einem kräftigen Schuß Moralinsäure ("Wer anderen hilft, hilft auch sich selbst") wartet zum Schluß der beruhigende Hinweis auf, daß es Menschen gibt, "die sich um Sie kümmern".

Gestärkt durch so einfühlsame Information geht man am besten gleich zur Volkshochschule, wo es "sogar Vorbereitungskurse auf das Alter" gibt, und besorgt sich eine Dokumentenmappe, die "Erläuterungen zur Feuerbestattung" enthält. Schon kann gar nichts mehr schiefgehen.

Unheimlicher Zustand