Spielverderber

Der ehemalige kanadische Regierungschef Pierre Trudeau nahm schon als Premier kein Blatt vor den Mund. Jetzt, als Ruheständler, beschrieb er vor amerikanischen Zuhörern die Gipfeltreffen der Nato. Nach 16 Jahren einschlägiger Erfahrungen könne er versichern, daß man sich dort mehr über die Farbe von Militäruniformen Gedanken mache als über den Weltfrieden. Die Regierungschefs träfen sich, berichtet Trudeau, um irgendwelche Reden zu halten, die ihnen ihre Berater geschrieben hätten und deren einziger Sinn es sei, alles beim alten zu lassen. "Die Politiker haben einst behauptet, der Krieg sei eine zu wichtige Sache, als daß man sie den Generälen überlassen könne; jetzt benehmen sie sich, als sei der Friede zu schwierig, um ihnen selbst überlassen zu werden." Die Abschlußerklärung war zu Trudeaus Zeiten natürlich auch immer schon fertig, bevor die Konferenz überhaupt begann, und jeder Versuch, sie in Frage zu stellen, stieß auf eisernen Widerstand. "Und dann kommt da so ein Wichtigtuer wie Caspar Weinberger und sagt: ,Hören Sie, wir haben alle Hände voll zu tun mit den Sowjets und dem Rest der Welt; kommen Sie jetzt nicht an und bringen uns alle Karten durcheinander!‘ "

Pasternaks Datscha demoliert

Die Datscha des sowjetischen Nobelpreisträgers und Autors von Doktor Schiwago, Boris Pasternak, ist von Unbekannten demoliert worden. Das Holzhaus im Schriftsteller-Dorf Peredelkino, unweit vom Grabe Pasternaks, war von Angehörigen als Museum eingerichtet worden. Nach jahrelangem Streit mit den Behörden und dem Schriftstellerverband, der formal Eigentümer des Hauses ist, mußten die Familienmitglieder die Datscha jetzt verlassen. Unmittelbar nach ihrem Auszug verwüsteten Eindringlinge das Haus. Sie zerstörten unter anderem Pasternaks Bechstein-Flügel, auf dem zu seinen Lebzeiten so berühmte Pianisten wie Maria Judina, Swjatoslaw Richter, Genrich und Stanislaw Neuhaus spielten. Ob politische Motive hinter dem Vandalenakt stecken, ist bisher unklar.

Geschichtsbewußt

Mit sowjetischen Mini-U-Booten haben schon die Schweden betrübliche Erfahrungen gemacht. Monatelang haben sie vor ihrem Marinestützpunkt Karlskrona die Ostsee abgesucht, tonnenweise Sprengstoff auf vermutete U-Boote geworfen, und was war der Erfolg? Einige tausend tote Fische, Gerüchte von rätselhaften Froschmännern, die nachts über die felsigen Schären watscheln, und Kettenspuren am Meeresgrund, die offenbar von einer Art Unterwasser-Spähpanzer stammen. Ganz ähnliche Fahrzeuge sind jetzt vor der Küste von Gibraltar gesichtet worden. Was sie da machen? Interessieren sie sich etwa für Nato-Militärstützpunkte an der strategisch nicht ganz unwichtigen Meerenge? Aber nicht doch, schreiben sowjetische Zeitungen. Sie dienen ausschließlich der Wissenschaft: Sie suchen nach dem versunkenen Atlantis.

Ehrung

Marion Gräfin Dönhoff, Herausgeberin der ZEIT, erhielt "in Würdigung ihres journalistischen und publizistischen Wirkens für die Wahrung liberaler Grundwerte in Staat und Gesellschaft" die Wolfgang-Döring-Medaille. Bisherige Empfänger der in Erinnerung an den 1963 verstorbenen FDP-Politiker gestifteten Auszeichnung waren unter anderen Theodor Heuss, Thomas Dehler und Gaston Thorn. Die Wolfgang-Döring-Stiftung begründet ihre Wahl mit folgenden Worten über die Preisträgerin: "Preußisch pflichtbewußt im Sinne Kants, couragiert, persönlich bescheiden, tolerant und fair, von hoher journalistischer und publizistischer Begabung, hellsichtig und hellhörig gegenüber allen antiliberalen Tendenzen in einer Epoche tiefgreifender gesellschaftspolitischer Veränderungen. Diese Charakteristika fügen sich mit der ihr eigenen und unverwechselbaren, vernunftbegründeten Liberalität zusammen. Sie sind wesentliche Triebkräfte ihres Denkens und Handelns."