Von Thomas von Randow und Jürgen Zimmer

ZEIT: Herr Frey, wenn man sich an die sechziger Jahre zurückerinnert, ist von dem Boom, der damals über die Schulen hereinbrach – mit Leselernmaschinen und computerunterstütztem Unterricht – eigentlich nur der Overhead-Projektor geblieben, und auch den könnte man vergessen und wieder an die Tafel schreiben. Wird vom Computer-Boom in den Schulen etwas übrigbleiben?

Frey: Da bin ich mir ziemlich sicher. Die Leselernmaschinen der sechziger Jahre waren drei- bis fünfmal teurer, weniger leistungsfähig und variabel. Die Geräte heute sind für jede Schule erschwinglich.

ZEIT: Also kommt auch der programmierte Unterricht wieder?

Frey: Einige Verlage holen Programme aus dem Schrank, die sie schon in den sechziger Jahren produziert haben. In den USA und in Japan läuft die Entwicklung nicht unerheblich in Richtung "drill and practice" – das heißt: Übungsprogramme und Wissensvermittlung durch Lerngeräte. Diesem Ziel laufen wir in der Bundesrepublik nicht nach. Im Vordergrund steht eine andere Einsatzvariante: Der intelligente Umgang mit diesen Medien, mit den Mikroprozessoren und auch mit den Televisionsgeräten, die computerbestückt sind.

ZEIT: Diese Intelligenz mal unterstellt: Wenn sie sich nur auf die Technik bezieht, geraten leicht die sozialen Zusammenhänge aus dem Blick – die Veränderungen der Arbeitsgesellschaft, die wegrationalisierten Arbeitsplätze, die notwendige Neuverteilung noch vorhandener Arbeit.

Frey: Die Gefahr besteht dort, wo es kein Fach oder keine ausgewiesenen Blöcke für Computerkunde gibt, wo Computer als Lehr- und Übungsgeräte genutzt werden, oder dort, wo man mit billigen und leistungsstarken Mikroprozessoren in der Schule kleine Programmierer ausbilden will. Einige Fachdidaktiker und Kultusminister haben die Gefahr benannt. Die Gegenmaßnahme zielt darauf ab, das Phänomen der Computerisierung insgesamt zum Bildungsthema zu machen – den Kontext, die wirtschaftlichen Entwicklungen, die Arbeitsplatzfragen und die Naturwissenschaftsgeschichte der Mikroelektronik.