Wahrhaftig: Brumm hat keinen Pimperling in den Hosentaschen, möchte Weihnachten ausfallen lassen. Aber Mimi bittet, bettelt, fleht, bis der Bär sich weichklopfen läßt. Und weil für eine Weihnachtsparty mit siebzehn Mäusen wirklich keine Puseratze übrig ist, muß Maus sich gewaltig anstrengen: Holz und Christbaum schleppen sie aus dem Wald ab, Tassen, Teller, Stoffreste und Festflitter finden sich im Sperrmüll.

Mails Mimi mit kreativem Rappel fängt an, künstlerisch zu wüten. Alles, was ihr unter die zierlichen Pfötchen kommt, kriegt eine knallbunte Schleife um den Bauch und wird "Geschenk": grüne Äpfel, Zitronen, Mause-Kritzeleien und ausgeschnippelte Papiersterne.

Maus trippelt und wirbelt am Weihnachtsabend (im Schlabberkleid und mit Sternenband zwischen den hellrosa Mauseohren) durch Brumms bescheidenes Gehäuse, wartet mit Herzrasen auf die Partygäste. Und bald quillt Brums arme Bude über von niedlichen kleinen Gästen, die sich Mimis tolle Papphüte aufsetzen und zu Brumms virtuosem Geigensolo wie angestochen herumhüpfen, sich Geschichten erzählen lassen, Sirtaki tanzen und vor Vergnügen trommeln, trampeln und quietschen. Sogar der arrogante Mäuserich im Bajazzo-Kostüm ist am Schluß ganz hingerissen. Brumm ist selig, weil Maus selig ist.

Gabrielle Vincent setzt mit temperamentvollem Strich in Sepiatusche Kontur, koloriert in sanften Aquarelltönen, schafft in sparsamen Zügen Charakter, Stimmung, Atmosphäre. Selten habe ich in einem Bilderbuch der letzten Jahre soviel Zärtlichkeit, Wärme, unaffektierten Liebreiz gefunden.

Winzige Gesten, exakt beobachtet, setzt die Künstlerin in heitere Sequenzen um: Mimi in panischer Aufregung vor dem Besuch, Mimi tödlich gekränkt durch das blasierte Gequatsche des Bajazzos, Mimi stumm vor Glück beim Geschichten-Zuhören oder kichernd, schlaftrunken auf Brumms Arm gekuschelt, der das puppenleichte Geschöpf ins Bett trägt, wo es traumselig glucksend neben seinem Spielzeug einschlummert.

In drei Dutzend Blättern steckt bezaubernd (altmodisch) echte Weihnachtsstimmung – ein Stück Kindheits-Beschwörung, das sehr anrührt. Erinnerung, die Horváth in der "Probefahrt in die Kinderzeit" so beschreibt: "die Bäume sind höher, die Plätze weiter, die Straßen länger, die Blumen größer, der Schnee weicher"...

Die Aquarelle der Vincent illustrieren heiter und unsentimental kindliche Wunschbilder: nach Freundschaft, Geborgenheit, Zuneigung. Und Bär ist genau das, was sich Kinder erträumen: ein verläßlicher, liebevoller Gefährte, Spielkamerad, Geschichtenerfinder, Beschützer und Tausendsassa. Treu und bärenstark. U. B.