Sein Naturell, aber auch die arg strapazierte Loyalität zum Kanzler verbieten ihm, in diesen Tagen sichtlich trübsinnig durch die Bundeshauptstadt zu laufen. Dennoch hat ArbeitsministerNorbert Blüm guten Grund, geknickt zu sein. Was als Kompromiß zwischen seinem Konzept zur Krankenhaus-Finanzierung und den konkurrierenden Vorstellungen der CDU-regierten Bundesländer am Ende herauskommen wird, ist gerade noch gut genug, ihn das Gesicht wahren zu lassen. Die ungebändigten Kosten der Krankenhäuser aber wird das sich inzwischen in groben Zügen abzeichnende Gesetz kaum ernsthaft bremsen können.

Vollends gestrichen ist die von Blüm gewollte Möglichkeit der Krankenkassen, sich aus Verträgen mit zu teuren Kliniken künftig zu lösen. Und höchst unsicher sind die Chancen der Kassen, in Zukunft knapper kalkulierte Pflegesätze durchzusetzen. Zwar müssen diese Sätze demnächst im voraus festgelegt werden – sie garantieren den Krankenhäusern also nicht mehr einfach im nachhinein die Erstattung ihrer Kosten. Doch falls Kassen und Kliniken sich über die Entgelte nicht einigen, entscheidet eine Schiedsstelle, deren Vorsitzender vom zuständigen Bundesland bestellt wird.

Gleichwohl steht zu erwarten, daß die Regierung den Krankenhaus-Kompromiß als großen politischen Hit verkaufen wird. Als Vater des Erfolgs mag sich zum Beispiel Wolfgang Schäuble fühlen, der neu ernannte Staatsminister im Bundeskanzleramt. Er hat in der entscheidenden Verhandlung zwischen Norbert Blüm und dem Sprecher der Länder, Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß, vermittelt. Wenn allerdings Schäubles Erfolge immer von der Qualität des Krankenhaus-Konzepts sein werden, dann wird sich bei Kanzler Helmut Kohl wohl über kurz oder lang die triste Gewißheit einstellen, mit seinem politischem Chef-Koordinator Schäuble keinen so guten Griff getan zu haben.

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Es ist schon tröstlich zu wissen, daß er wohl nicht gleich zum "sozialen Fall" werden wird. So hoch ist glücklicherweise der Verlust nicht, den Eberhard von Brauchitsch wegen seiner tragenden Rolle im Skandal um die Parteienfinanzierung und die Flick-Steuerbefreiung erleiden muß. Nicht mehr als 7000 Mark entgangener Vergütung kostet ihn jährlich sein Teilverzicht auf die Vizepräsidentenschaft im Verwaltungsrat der Deutschen Bundesbahn. Brauchitsch hat Verkehrsminister Werner Dollinger gebeten, das Mandat ruhen zu lassen, damit er sich ganz auf seine Verteidigung im Hauptverfahren vor dem Bonner Landgericht konzentrieren kann.

Der SPD-Abgeordnete Klaus Daubertshäuser allerdings hätte es gelungener gefunden, wenn Brauchitsch das Aufsichtsamt ganz niedergelegt hätte. Auf seine Anfrage an die Bundesregierung hat das Verkehrsministerium indes geantwortet, daß dafür keine Notwendigkeit bestehe.

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