Und Enosch zeugte Kenan, und Kenan war siebzig Jahre alt und zeugte Mahalalel und wurde neunhundertundzehn Jahre, und Mahalalel zeugte Jared, und Jared zeugte Henoch... Dies ist wohl der ermüdendste Teil der Bibel. Davor aber erzählt das Buch der Bücher die spannende Geschichte mit der Schlange und dem Apfel und dann den Brudermord. Da läßt sich die ganze Zeugerei leicht überlesen.

In dem prächtigen Bildband

Eberhard Trumler: "Das Jahr des Hundes"; Photos von Dietmar Mundo und Eberhard Trumler; Kynos Verlag, Mürlenbach, 1984; 224 Seiten, 62,80 DM,

beginnt der Autor sein Epos über ein Jahr im Leben einer Hundefamilie wie die Genesis: Plisch zeugte Ali, und Scheich zeugte Björn und Beute, und die zeugten Sven. Sven aber zeugte Nora mit Binna, die seine Großmutter war (ein bißchen Sodom und Gomorrha kommt also auch noch dazu).

Mich haben die Bemühungen des bedeutenden Verhaltensforschers Trumler, seinem Leser die verzwickten Verwandtschaftsverhältnisse der von ihm gezüchteten Wildhunde durchsichtig zu machen, sehr erheitert, und ich habe gerade diese Stellen richtig liebgewonnen. Denn um die Genealogie noch unübersichtlicher zu machen, stammen seine Hunde aus verschiedensten Wildhundformen. Da waren der indische Wolf (der kleinste Vertreter seiner Art), australische Dingos, Goldschakale und norwegische Elchhunde, elegante nordische Schlittenhuskys und marockanische Straßenhunde. Diese alle, wenn ich richtig verstanden habe, waren Vorfahren von Baba, der Mutterhündin. Sie ist die Zentralfigur in Trumlers Bericht, Leittier und Regulativ der Sippenordnung, so wie es im Wolfsrudel immer die Partnerin des Leitwolfes ist, die herrscht. "Er" übermittelt nur die Befehle der Königin.

Damit es nicht zu einfach wird: Scheich, Babas Partner, ist nicht der Vater des Wurfes, von dem in diesem Buch berichtet wird, sondern dessen Bruder. Die fünf Welpen sind Onkelkinder. Scheich hält sie aber für die seinen und verhält sich entsprechend. Ich möchte richtig verstanden werden; dies alles führe ich nicht als kritische Anmerkungen auf: Es muß den Nichtfachmann entzücken und rühren, wieviel Spezialdenken Eberhard Trumler bei seinen Lesern voraussetzt. Er hat eine hohe Meinung von den Konsumenten seines Werkes, und das ehrt ihn.

Die Reise in den idyllischen Wolfswinkel, dem Ort des Geschehens, muß jeder für sich antreten. Viel, sehr viel Wissenswertes ist zu erfahren – gerade deshalb, weil hier nicht von einer spezifischen Rasse die Rede ist, sondern vom Leben einer Wildhundfamilie. Wildhunde sind Wolfsabkömmlinge wie jeder Hund, aber noch mehr von Instinktsicherheit bestimmt als unsere üblichen vierbeinigen Begleiter. Gerade deshalb kann jeder Hundefreund und Hundehalter (was leider oft nicht dasselbe ist) Rückschlüsse auf das Verhalten seines eigenen Tieres ziehen.