Heute, da jeder Laie sich als Strategie-Experte ausgibt, schreibt ein Mann, der wirklich etwas von Strategie versteht, ein Büchlein über eine Fernpatrouille des Grafen Zeppelin – also über einen winzigen Ausschnitt im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Der Verfasser war Vier-Sterne-General, einer der klügsten und erfolgreichsten Offiziere (was nicht immer dasselbe ist) der Bundeswehr. Später wurde Karl Schnell als Staatssekretär der Rüstungsdirektor im Verteidigungsministerium. Statt nun – dank seiner enormen militärischen Erfahrung – über Strategie oder technologische Großprojekte zu schreiben, suchte sich dieser Autor ein Thema aus, das sich eher für die literarische Kleinkunst eignet. Er beschreibt einen kuriosen Ritt des Grafen Zeppelin, des Mannes also, der später durch sein lenkbares Luftschiff berühmt wurde. Da reitet dieser württembergische Graf, recht kriegsmutwillig, nach Frankreich hinein und gleichzeitig in eine Serie von Erfolgen, Pannen und eindeutigem Fehlverhalten. Dies alles wird liebevoll bis ins Detail beschrieben und in einem Deutsch, um das viele den Autor beneiden könnten. Schnell schreibt distanziert und doch voll innerer Anteilnahme, spannend und ohne jeden Kunstgriff. Nachdem er den Ritt beschrieben hat, übt er eine Art Manöverkritik, fair, doch keineswegs zimperlich dem Grafen gegenüber. Das Vergnügen beim Lesen dieses Buches wird begleitet von der Freude über die Illustrationen.

Gerd Schmückle

Karl Schnell: "Zeppelins Fernpatrouille mit badischen Dragonern in das untere Elsaß, Juli 1870"; Verlag für Wehrwissenschaften, München 1984; 143 S., 29,80 DM.