Von Wolfgang Hoffmann

In beinahe barschem Ton wies Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann den hessischen Wirtschaftsminister Ulrich Steger in Wiesbaden zurecht: "Die Zuständigkeit für Fragen der Nichtverbreitung von Kernwaffen liegt allein bei der Bundesregierung." Mit dem Bonner Machtwort scheint zunächst verhindert worden zu sein, was ein Sprecher des Hanauer Nuklearbetriebs Nukem schon als den "Abmarsch der Bundesrepublik in ein Agrarland" dramatisierte.

Den Bruch des ersten rot-grünen Bündnisses auf Landesebene konnte Zimmermanns Kompetenzverweis allerdings vorerst nicht mehr kitten. Weil die hessischen Grünen in den Hanauer Nuklearbetrieben "die Quellen für die Weiterverbreitung von atomwaffenfähigem Material" und den "Ausbau der Plutoniumwirtschaft" sehen, bestanden sie darauf, daß die SPD mithelfen müsse, diese Quellen zu stopfen. Für Maximallösungen gaben sich die Sozialdemokraten nicht her, zusätzliche Auflagen waren ihr Äußerstes. So kam es dann zum Bruck

Nur Ersatz alter Anlagen

Der rot-grüne Streit war allerdings nicht nur wegen der alleinigen Bonner Atomkompetenz unnötig, er ist auch in der Sache schwer verständlich. Denn was die Hanauer Nuklearbetriebe planen, ist gar keine Ausweitung der Plutoniumwirtschaft, sondern zunächst nur der Ersatz alter Anlagen durch neue, die zudem noch sicherer sind. Jedenfalls behaupten das die betroffenen Unternehmen, die nach den Vorstellungen der Grünen lieber heute als morgen geschlossen werden sollten, was den Verlust von über 2200 hochqualifizierten Arbeitsplätzen bedeuten könnte.

Hanau, dicht vor den Toren Frankfurts, ist das Herzstück der deutschen Atomwirtschaft. Dort hat sich eine ganze Reihe von Unternehmen angesiedelt, die miteinander verbunden sind und deren Tätigkeit sich von der Herstellung von nuklearem Brennstoff bis hin zu einschlägigen Versicherungen der Branche erstreckt. Die wichtigsten Firmen sind:

  • Alkem, Produzent von plutoniumhaltigen Brennelementen für konventionelle Kernkraftwerke und Schnelle Brüter, 51 Millionen Jahresumsatz, 458 Mitarbeiter;
  • Nukem, Erbauer von kerntechnischen Anlagen, Hersteller von Brennelementen für Materialtest, Forschungs- und Unterrichtsreaktoren und sonstige nuklearen Produkten, 226 Millionen Jahresumsatz, 890 Mitarbeiter;
  • RBU-Reaktor-Brennelement-Union, Hersteller von Brennelementen, 151 Millionen Mark Jahresumsatz, 900 Mitarbeiter.