Noch ist freilich nicht bekannt, ob der hessische Wirtschaftsminister der Alkem die Erweiterungsbauten – Kosten: rund 120 Millionen Mark – nur unter Vorbehalt genehmigen wird. Im Gespräch ist eine Bestimmung, derzufolge die Alkem immer nur so viel Plutonium in die Hand bekommt, wie sie zur Verarbeitung benötigt. Nicht benötigte Mengen würden dann in staatlichen Depots bewacht, was freilich auch nur eine Verlagerung der Plutonium-Problematik bedeutet.

Noch schlimmer für die Alkem wäre allerdings der Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft, wie er von den Grünen verlangt wird. Die Unternehmensleitung könnte die Belegschaft dann komplett nach Hause schicken. Selbst eine Einschränkung der Aktivitäten könnte die Firma in Bedrängnis bringen, zumindest die Konkurrenz beleben. Bislang ist die Alkem nämlich mit ihrem Verfahren, Reaktorplutonium zu Brennelementen für herkömmliche Leichtwasserreaktoren zu verarbeiten, relativ konkurrenzlos. Bisher ist es nur üblich, Plutonium für den Betrieb von Schnellen Brutreaktoren zu verwenden. Neuerdings sind auch die Franzosen dazu übergegangen, sich an dem offenbar lukrativen Geschäft zu beteiligen, Reaktorplutonium für Leichtwasserreaktoren wieder zu verwenden. Da die Franzosen es mit der Sicherheit nicht so ernst nehmen wie die Deutschen, könnte sich das langfristig ungünstig auf deutsche Geschäfte auswirken.

Arbeitsplatz gefährdet?

Umstritten sind die Auswirkungen jener Auflagen, die Hessen für die Nukem vorgesehen hatte, und die der Bonner Innenminister als Oberhirte für den Atomschutz wieder aufgehoben hat. Ein Firmensprecher von Nukem jedenfalls meint: "Diese Auflagen hätten unsere unternehmerische Tätigkeit behindert und uns wirtschaftlichen Schaden zugefügt." Bei der Nukem, die hochangereichertes Uran in vierzehn Länder exportiert, wäre immerhin ein Drittel aller Arbeitsplätze, 270 genau, verloren gegangen. Langfristig soll sogar mehr auf dem Spiel gestanden haben: "Die Forschung wäre gefährdet gewesen, was am Ende dazu führen kann, daß wir technologisch nur noch zweitklassig werden."

Im hessischen Wirtschaftsministerium hält man dies für eine bewußte Dramatisierung. Dem hessischen Wirtschaftsminister Ulrich Steger jedenfalls liegen genügend Hinweise vor, die ihn in der Annahme bestärken, daß die Nukem auch mit weniger angereichertem Uran gut leben und überleben könnte, und daß andere Nachteile nicht zu erwarten sind. Mit der Einmischung Zimmermanns ist daher nach Ansicht Stegers die Chance vertan, "einen verantwortungsbewußten Umgang mit Kernenergiefragen gegenüber einer kritischen Öffentlichkeit zu demonstrieren und aktiv zur Weiterentwicklung der Nichtverbreitungspolitik beizutragen".

Im übrigen fürchtet der SPD-Politiker, die Bundesregierung habe gegenwärtig kein vernünftiges Nuklearkonzept. Seit Anfang April liegt der Regierung nämlich eine Große Anfrage der Bonner SPD-Fraktion vor. Darin will die Opposition genau das wissen, wie die Nichtverbreitung von Kernwaffenmaterial noch besser sichergestellt werden kann. Bonn freilich bleibt seit beinahe acht Monaten die Antwort schuldig.