Die Prognosen über das wirtschaftliche Wachstum in der Bundesrepublik im Jahre 1985 klingen immer zuversichtlicher. Aus heutiger Sicht werden in vielen Bereichen auch die Unternehmensgewinne weiter steigen, nicht zuletzt dank der ins Rutschen geratenen Zinsen.

Das Börsenjahr 1984 dürfte sowohl für die Aktienbesitzer als auch für die Renten-Sparer befriedigend abschließen. Welcher Index schließlich die Nase vorn haben wird, läßt sich heute noch nicht sagen. Aber das ist letztlich auch unbedeutend.

Die Bankiers sprechen von einer Art Traumkonstellation, ohne daß sich allerdings ihre Kunden zu größeren Engagements bereitfinden. Zur Zeit läßt sich das noch mit den angelaufenen Jahresabschlußarbeiten begründen, eine Phase, in der nur ungern größere Bestandsveränderungen vorgenommen werden.

Aber was geschieht danach? Werden sich die Kunden der Kreditinstitute dann bereitfinden, weiteres Geld für Aktienkäufe bereitzustellen? Die Antwort liegt nicht nur im wirtschaftlichen Bereich. Die Anleger machen sich nämlich zunehmend Gedanken über den Ausgang der nächsten Bundestagswahlen. Um so stärker ist der Mißmut über die ständigen Querelen im Bonner Regierungslager, insbesondere über das Hin und Her der Einführung einer "Neidsteuer" für Leistungsfähige und -willige. Börsenprognosen können sich in der Bundesrepublik nicht länger auf wirtschaftliche Fakten beschränken. Politische Einflüsse gewinnen an Gewicht. K. W.