1 Am vernünftigsten reist man nach Irland, indem man, London-Heathrow meidend (zeitraubend, lästig, unangenehm), von wo auch immer einen Direktflug nach Dublin oder Shannon bucht und dort ein Auto mietet. Wer auf die Bequemlichkeiten des eigenen Wagens nicht verzichten möchte kein Gepäcktransport), könnte mit vielen Autofähren vom Kontinent nach England, dann quer durch England, schließlich wieder mit Fähre nach Irland fahren. Ein wenig mehr Zeit kostet die sehr viel angenehmere Fahrt nach Le Havre oder Cherbourg, von wo aus man mit einem für irische Verhältnisse geradezu luxuriösen Dampfer samt Auto in 17 bis 20.Stunden nach Rosslare gebracht wird.

2 Irische Hauptstraßen sind wie alle anderen europäischen Hauptstraßen auch, nur meistens ein bißchen enger, holperiger, kurvenreicher. In der Planung 60 Kilometer pro Stunde ansetzen (Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h). Das eigentliche Irland jedoch liegt an den noch schmaleren, noch holprigeren Nebenstraßen, die man, wo immer möglich, bevorzugen sollte. Durchschnittsgeschwindigkeit: 30 km/h.

3 Die Nebenstraßen haben zwei Nachteile für den Autofahrer. Die aber machen gerade ihren Charme aus. Zum einen muß man immer damit rechnen, daß irgendwo und unerwartet ein Schaf, eine Kuh, ein Auto quersteht. Zum anderen sind Wegweiser selten, unlesbar oder irreführend. Da es auch keine wirklich genauen Karten gibt, ist das Fahren auf Nebenstraßen immer mit Abenteuern verbunden und führt selten genau auf dem gedachten Wege an genau das gedachte Ziel.

4 Alle zu optimistisch bemessenen Zeitpläne werden durcheinandergebracht durch die vielen Ortsdurchfahrten. Da Iren je nach Belieben rechts oder links von der Straße. parken, auch in zwei Reihen, dazu sich gern miteinander von Auto zu entgegenkommendem Auto unterhalten, wird oft Schritt gefahren, und manchmal nicht einmal das (wenn dann zum Beispiel noch eine Hochzeit oder ein Begräbnis dazwischenkommt).

5 Natürlich will man "die Sights" sehen, muß also die Westküste hochfahren: Dingle-Halbinsel, Burren, Connemara. An Kulturdenkmälern ist der Süden reicher. Er ist auch milder. Aber der wirkliche Irlandfan fährt in den Norden, und das heißt nach Donegal, genauer: nach dem Norden von Donegal. Die von Reiseführern empfohlenen "beauty spots" – Killybegs, Glencolumbkille, Gweeaore – sind auch im Norden so zersiedelt und so kommerzialisiert wie Wenningstedt und Westerland auf Sylt. Jeder kann jedoch sein eigenes Donegal entdecken, ein Paradies für Naturfreunde, Angler, Reiter und Golfspieler – auf den Nebenstraßen!

6 Wer sein Burren-Connemara-Pensum hinter sich hat und zum zweiten Male fährt, zieht, von der Ostküste kommend, den immerhin 70 km kürzeren Weg nach Donegal vor, der durch britisch Nordirland führt. Er bleibe dabei doch lieber auf den für den grenzüberschreitenden Verkehr zugelassenen Straßen ("approved roads"), auch wenn die "nicht gebilligten Straßen" oft noch kürzer, sicher abenteuerlicher und nicht verboten, sondern eben nur "nicht gebilligt" sind. Zwar wird der Autoreisende manchmal mehr bewaffneten Soldaten begegnen, als er gern sieht. Aber unter den 2300 Gefallenen des irischen Krieges seit 1969 haben intensive Nachforschungen noch keinen Touristen entdecken können. Übrigens: Falls es so hinkommt, in Nordirland tanken. Benzin ist dort sehr viel billiger als in der Republik. Whiskey auch.

7 Wirklich eilig sollte es ein Irlandreisender niemals haben. Er versäumte sonst den erholsamen Rhythmus des Landes. Müßte er trotz allem einmal ein bestimmtes Ziel in kürzester Zeit erreichen, dann mache er sich eben diesen Rhythmus des Landes zunutze und stehe früh auf: Von 23.00 bis 7.30 Uhr schläft das glückliche Irland, und alle Straßen sind völlig leer. Leo