Dies sollte möglichst oft geschehen, weshalb ein Heimcomputer dafür programmiert wurde, die Seite laufend automatisch aufzurufen. Er tat es brav, und während sich die Clubmitglieder anderen Tätigkeiten widmeten, klingelte alle drei Sekunden die Kasse. Von Sonnabend 18 Uhr bis Sonntag 13 Uhr kamen insgesamt 135 000 Mark auf das Clubkonto. Die freilich überwiesen sie der Haspa zurück.

Einen hack haben amerikanische Studenten, lange schon bevor Computer populär wurden, die Art von Streich getauft, mit der Technik ausgetrickst wird. Legende ist der hack von Captain Crunch geworden, einem Studenten, der seinen Namen einer Cornflakes-Sorte entlehnt hatte. Den Packungen dieser Frühstückskrümel lag eine kleine Plastikpfeife bei, die zufällig exakt auf 2600 Hertz gestimmt war. Im amerikanischen Fernsprechsystem, das hatte Captain Crunch herausgetüftelt, ließ diese Frequenz, wenn sie ins Mikrophon des Telephonhörers gepfiffen wurde, den Gebührenzähler abfallen.

Der Trick mit den kostenlosen Ferngesprächen sprach sich schnell herum; er machte die Cornflakes-Firma reich und die Telephongesellschaft arm. Jedenfalls fand sie sich in argen Schwierigkeiten. Es galt den schwer ermittelbaren Verlust gegen eine teure technische Änderung im kontinentalen Netz abzuwägen. Bell entschied sich für die zweite Option.

Ein solcher Schlag gegen ein Computersystem vermittelt einen köstlichen Triumph, der den finanziellen Vorteil, der manchmal damit verbunden ist, weit überwiegt, ein Befreiungsschlag ist es, der uns für ein paar Augenblicke der Apparateherrschaft entwindet. In den dreißiger Jahren beleuchteten Hamburger Schrebergärtner kostenlos ihre Häuschen. Stromlieferant war die nahestehende Antenne des starken Rundfunksenders, dessen Energie mittels eines simplen Sperrkreises in die Lampen umgeleitet wurde. Jahrelang blieb dieser hack unentdeckt – und als er schließlich ruchbar wurde, setzte er eine juristische Grundsatzdiskussion in Gang: Sind Radiostrahlen eine bewegliche Sache im Sinne des Gesetzes?

Anonym blieb der Tüftler, dem vor knapp zehn Jahren der hack mit den ersten Tastatur-Münzfernsprechern der Firma SEL eingefallen war. Gebraucht wurde dafür ein Feuerzeug mit piezoelektrischer Zündung. Wer kostenlos telephonjeren wollte, begab sich in eine Fernsprechzelle mit dem SEL-Münzer, warf ein Fünfmarkstück ein und rief seinen Partner an. Ehe jedoch das ganze Geld verbraucht war, mußte das Feuerzeug in der Nähe der Tastatur geknipst werden. Dessen Funke verstörte die Elektronik erheblich, die daraufhin mutmaßen mußte, das Gespräch sei gar nicht zustande gekommen, und deshalb – in dubio pro comparticipte – den Fünfer wieder herausgab. In sämtlichen Münzfernsprechern jener Type mußten die Logik-Platinen ausgetauscht werden.

Für das Opfer ist der hack nicht nur lästig, sondern in der Regel ein Lehrstück, das technische Designfehler offenbart. Freilich nimmt mit dem Komplexitätsgrad des Systems auch der mögliche Schaden zu, der schon beim ersten hack angerichtet werden kann. So ist es eher ein Wunder, daß bisher die Spielchen der Btx-Hacker harmlos abgelaufen sind. Immerhin legten sie die Kläglichkeit es Bildschirmtext-Designs in einer Deutlichkeit bloß, die nichts zu wünschen übrig läßt.

Im Ursprungsland des Btx, Großbritannien, machten sich Hacker einen Spaß daraus, Prinz Philipps elektronischen Briefkasten zu knacken. Diese Btx-Briefkästen, Mailbox genannt, sind ohnehin merkwürdig konstruiert. Bildschirmtext-Post, die schon darin abgeworfen ist, kann dennoch nachträglich vom Absender umgeschrieben werden. Jede Mailbox kann sogar völlig unbrauchbar gemacht werden. Dazu muß nur – auch das haben die Hamburger Chaoshacker ausbaldowert – am Ende einer Seitenedition der Befehl stehen, den ganzen Aufruf zu wiederholen. Die so präparierte Seite taucht dann immer wieder auf. Das tut sie auch in dem Briefkasten, an den sie geschickt wird, mit dem Erfolg, daß nichts anderes mehr herausgeholt werden kann. Nur die Post vermag diesen Teufelskreis zu sprengen.