Von Lothar Reinbacher

Der "besondere Saft" in unseren Blutgefäßen ist nicht nur Sauerstoffträger und Energieversorger. Wo immer das kilometerlange Adernetz leckgeschlagen wird, treten geschwind winzige Blutplättchen, die in großer Zahl im Blut kreisen, in Aktion. Die mikroskopischen und gewöhnlich glatten Plättchen verwandeln sich dann in klebrige Ketten, so daß sie sozusagen "mit ihren Leibern" das verletzte Blutgefäß abdichten.

Ohne rasches Eingreifen der "Thrombozyten" genannten Plättchen käme es nicht zu dem (sehr komplizierten) Vorgang der Blutstillung: jede Verletzung würde zum Tode führen. Ohne den Gerinnungsschutz wären schon die Urväter des Homo sapiens ausgestorben. Den Beweis dafür liefern jene Menschen, die an der erblichen Bluterkrankheit leiden: bevor es Blutgerinnungspräparate gab, starben sie schon im frühen Kindesalter.

Aber die Blutplättchen können auch zu Todesboten werden. Wenn sie verklumpen und feine Blutgefäße verstopfen, kommt es zum Infarkt. Solche fatalen Gerinnsel bilden sich besonders häufig an künstlichen Blutgefäßen und Herzklappen. Deshalb suchen Wissenschaftler in vielen Labors der Erde danach, wie die oft tödlichen Pfropfen verhindert werden können. Wichtige Erfolge konnte kürzlich eine interdisziplinäre Forschergruppe der Technischen Hochschule Aachen melden.

Ungestört fließt der Blutstrom nur in einem intakten Röhrensystem, das nahtlos mit einer hauchdünnen Zellschicht, dem Endothel, ausgekleidet ist. Wo diese im Fachjargon auch "Intima" genannte Schicht Defekte aufweist, etwa bei der Arteriosklerose, können Blutplättchen hängenbleiben, miteinander verbacken und Gefäße verschließen. Die Folge: Herz- oder Hirnschläge. Der Herzinfarkt beruht meist auf einem solchen Blutpfropfen, einem Thrombus, im Versorgungssystem des Herzmuskels.

Auch Fremdkörper, etwa künstliche Organe, die in die Blutbahn eingebracht werden, sind gefährlich: So bringen die "Raucherbein"-Operationen, bei denen von Nikotin-Mißbrauch geschädigte Beinarterien durch Blutgefäße aus dem Kunststoff Dacron ersetzt werden, nicht immer den erhofften Erfolg. Obwohl die Träger solcher Prothesen dauernd mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden, verschließen mit der Zeit Blutgerinnsel die künstlichen Adern. Der kritische Durchmesser solcher künstlicher Blutgefäße liegt bei etwa fünf Millimetern; weiträumigere Dacron-Röhren bleiben länger durchlässig.

Künstliche Herzventile, mit denen Chirurgen undichte oder verkalkte Herzklappen reparieren, werden ebenfalls oft von Thromben in ihrer Funktion behindert: Der Blutstrom pendelt dann in der Herzkammer ineffektiv hin und her, wodurch ein risikoreicher Austausch der Kunstklappe nötig wird.