Krach an der Ruhr um die Forderung des Veba-Chefs von Bennigsen

Die beiden Herren mögen sich offensichtlich. Jedenfalls sagt der Ruhrgas-Vorstandsvorsitzende Klaus Liesen über den Veba-Chef: "Sie wissen, daß ich Herrn von Bennigsen außerordentlich schätze, nicht nur als Person, sondern auch als Unternehmer." Und ähnlich äußert sich der Veba-Chef über Liesen. Aber diese gegenseitige Wertschätzung hindert die beiden Herren nicht daran, sich gegenwärtig in den Haaren zu liegen. Der Grund: Bennigsen hat die Einführung einer Erdgassteuer gefordert.

Das mußte Liesen auf die Palme bringen. Die Ruhrgas-Verkäufer haben nämlich so schon alle Hände voll zu tun, das eingekaufte Gas an den Mann zu bringen; eine fiskalische Belastung paßt ihnen da überhaupt nicht. Dabei ist die Erdgassteuer keineswegs zum ersten Male ins Gespräch gebracht worden. Vielmehr sagt Liesen selbst: "Forderungen, eine Verbrauchssteuer auch auf Erdgas einzuführen, sind wie das Ungeheuer von Loch Ness immer wieder aufgetaucht. Sie wurden vom Bundesfinanzministerium aus fiskalischen Gründen auf den Tisch gebracht und dann gleich aus ordnungspolitischen Gründen wieder verworfen."

Diesmal reagiert die Gaswirtschaft jedoch ausgesprochen nervös. Vielleicht liegt es daran, daß die Attacke aus der Wirtschaft selbst kommt und mehr als eine rein fiskalische Begründung hat. Denn der Veba-Chef hat keineswegs, so versichert er, bessere Wettbewerbsbedingungen für Heizöl im Sinn, er möchte vielmehr der Kohle helfen. Das ist zwar nicht ganz uneigennützig – die Veba ist der mit Abstand größte Aktionär der Ruhrkohle. Aber schließlich hat auch der Bundeskanzler erst zu Beginn dieser Woche beim Kongreß der IG Bergbau und Energie wieder einmal betont, wie sehr ihm die Kohle am Herzen liege.

Wenn die Kohle überhaupt eine Zukunft hat, dann offensichtlich nur auf dem sogenannten Wärnemarkt. Beim Einsatz in Kraftwerken gibt es eine gesicherte, jedoch limitierte Expansion. Kokskohle hat trotz leichter Belebungstendenzen in diesem Jahr sinkende Absatzerwartungen. Nur da, wo Wärme direkt aus Kohle gewonnen wird – bei der Heizung und bei Verbrennungsprozessen in der Industrie –, hat die Kohle eine Chance. Sie ist hier billiger als Öl und Gas, hat freilich das Handikap, daß mit ihr nicht so leicht umzugehen ist wie mit den Konkurrenzenergien.

Aber die Kohle müht sich, ihre Nachteile durch automatisierte Feuerungsverfahren und umweltschonende Verbrennung auszugleichen. Doch wenn dann aussichtsreiche Verhandlungen mit Abnehmern kurz vor dem Abschluß stehen, macht die Gaswirtschaft verlockende Preisangebote. So jedenfalls behauptet es der Bergbau. Und auch Rudolf v. Bennigsen sagt: "Was immer die Kohle tut, das Gas legt sich im Preis darunter."

Davon will man bei Ruhrgas, die den Vertrieb am Ort den meist kommunalen Gasunternehmen überläßt und selbst nur für den Einkauf zuständig ist, nichts wissen. Liesen findet die Befürchtung, eine Verdrängung der Kohle durch Erdgas könne zur Stillegung von Zechen führen, einfach "grotesk". Und sein Kollege Friedrich Späth, bei Ruhrgas für den Verkauf zuständig, versichert: "Wir haben nie über den Preis verkaufen können. Fälle, in denen das Gas unter Einkaufspreis verkauft wird, gibt es nicht."