Aggressiv sei die Gaswirtschaft schon gar nicht. Schließlich habe sie sich selbst das bescheidene Ziel gesetzt, zum deutschen Primärenergieverbrauch mit 18 Prozent beizutragen. Daran fehlt sogar noch einiges, denn in diesem Jahr wird das Gas nur 15,5 Prozent unserer Energieversorgung bestreiten. Die Differenz zu den angestrebten 18 Prozent macht immerhin 9,5 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten aus. Die müssen erst einem anderen Energieträger weggenommen werden.

Doch das soll nicht das Nationalheiligtum Steinkohlenbergbau, sondern die Mineralölwirtschaft sein. Und da hat Liesen überhaupt keine Probleme: "Wir meinen, es ist kein Unglück, wenn der Anteil des leichten Heizöls zugunsten des Gases noch ein wenig sinkt." Da ist freilich die Mineralölwirtschaft, die von der Parole "weg vom Öl" längst nichts mehr wissen will, ganz anderer Meinung. Deshalb unterstellten manche, der Veba-Chef spreche zwar vom Schutz der Kohle, meine in Wahrheit aber das Öl.

Beim Wettbewerb von Öl und Gas sei nicht einzusehen, warum das leichte Heizöl mit einer Steuer von 20 Mark je Tonne belastet ist, das konkurrierende Erdgas hingegen ungeschoren davonkommt, argumentieren die Befürworter einer Gassteuer. Doch dem widerspricht Liesen ganz heftig. Zwar gäbe es keine Verbrauchssteuer, wohl aber müßten die Gasverteiler an die jeweiligen Kommunen Konzessionsabgaben zahlen. Das summiere sich im Jahr auf 600 Millionen Mark und stehe dem Aufkommen aus der Heizölsteuer von 780 Millionen Mark somit nur wenig nach. Zudem hätten die Konzessionsabgaben steigende, das Heizölsteueraufkommen jedoch sinkende Tendenz. Überdies transportiere die Gaswirtschaft ihr Produkt in einem eigenen Rohrleitungssystem, das jährlich mehr als drei Milliarden Mark koste.

Was bei der Kontroverse in der Öffentlichkeit auf Unverständnis stößt, ist, daß diesmal ein Unternehmer eine neue Steuer fordert. Sicherlich hätte v. Bennigsen mehr Beifall gefunden, wenn er statt dessen für die Abschaffung der Heizölsteuer eingetreten wäre. Denn die hat ihren ursprünglichen Sinn, der Kohle den Wettbewerb mit dem Öl zu erleichtern, längst verloren. Sie dient nur noch dem Fiskus als Einnahmequelle. Eine Abschaffung der Heizölsteuer würde die Wettbewerbsposition der Mineralölindustrie gegenüber dem Gas allerdings nicht verbessern, weil dessen Preis an den Ölpreis gekoppelt ist.

Die Verträge mit den Förderländern enthalten nämlich Anpassungsklauseln, die dafür sorgen sollen, daß das Gas in den Abnehmerländern wettbewerbsfähig bleibt. Sinkt dort das Energiepreisniveau – und sei es wegen der Abschaffung der Heizölsteuer –, dann sinken auch die Einstandspreise. Wird hingegen das Gas zusätzlich mit einer Steuer belegt, dann könne das, so Liesen, allenfalls bei Neuverträgen Berücksichtigung finden.

Den Gasunternehmen bliebe dann – so der Ruhrgas-Chef – nichts anderes übrig als eine Erdgassteuer trotz Gefährdung ihres Absatzpotentials auf die Verbraucher abzuwälzen. Was das kosten würde, hat die Ruhrgas schon ausgerechnet: etwa 1,5 Pfennig je Kubikmeter, wenn Gas ebenso besteuert wird wie Heizöl. Einen Haushalt mit 4000 Kubikmetern Jahresverbrauch würde das dann 600 Mark im Jahr kosten. Heinz-Günter Kemmer