Siemens ermuntert Mitarbeiter zur Selbständigkeit

Von Hans-Otto Eglau

Burkhard Berghoff, 36 Jahre, verheiratet, fünf Kinder, Gruppenbevollmächtigter im Zentralen Vertrieb Ausland (ZVA) in der Münchener Siemens-Zentrale, erhielt einen unerwarteten Anruf aus dem Haus: Ob er Lust habe, als selbständiger Unternehmer sein eigener Herr zu werden?

Ein Partner für den Weg in eine neue Zukunft war bereits zur Stelle: Hans-Peter Feuerbaum, 35, promovierter Diplom-Ingenieur im Perlacher Forschungs- und Entwicklungszentrum des Konzerns. Mit einem von Feuerbaum in mehrjähriger Arbeit entwickelten elektronischen Meßgerät für Halbleiterschaltungen erprobt der Elektro-Multi derzeit ein möglicherweise zukunftsweisendes Pilotprojekt: Die "Entlassung" ehrgeiziger Mitarbeiter in die unternehmerische Selbständigkeit.

Für Feuerbaum war dies der einzige Weg, seine Erfindung zu einem Markterfolg werden zu lassen. Denn die Siemens-Manager, die mit rund 250 000 verschiedenen Produkten vom Mikrochip bis zum Atomkraftwerk die größte Angebotspalette unter allen Elektrokonzernen abdecken, hatten es abgelehnt, das nur für eine eng begrenzte Zahl von Anwendern interessante Gerät in ihr Programm aufzunehmen.

Auch für Feuerbaums Partner Berghoff gab es wenig zu überlegen. Mit der Beförderung auf die nächste Stufe der Siemens-Pyramide, die eines Abteilungsleiters, werde es vor Ablauf von vier bis fünf Jahren ohnehin nichts werden, kalkulierte der unruhige Jungmanager, der seine Talente mit der privaten Entwicklung und Vermarktung eines zum Gebrauchsmuster angemeldeten neuartigen Korkenziehers unter Beweis gestellt hatte.

Ein lohnender Versuch