Die Zinssenkungen der letzten Wochen lassen den deutschen Sparer Ausschau nach Auslandsanlagen mit hoher Rendite halten. Können die in immer größerer Zahl aufgelegten ECU-Anleihen eine Alternative sein?

Der deutsche Sparer tut sich schwer mit der Gewöhnung an das in letzter Zeit gesunkene Zinsniveau. Wehmütig denkt er an das Jahr 1981 zurück, als ihm der Bund für sein Geld Zinssätze von fast elf Prozent zahlte. Heute bringen Bundesobligationen bei fünfjähriger Laufzeit nicht einmal mehr sieben Prozent.

Ausländische Banken spüren den Unwillen der deutschen Sparer. Sie bieten deshalb in Inseraten hochverzinsliche Spar- und Termineinlagen in eigener Währung an. Hervor tun sich in dieser Hinsicht englische und dänische Institute. Wer ihren Offerten folgt, läuft das volle Währungsrisiko.

Um das Währungsrisiko für deutsche Kunden zu begrenzen, bieten dänische Banken neuerdings ECU-Konten an, bei denen eine jährliche Verzinsung von neun Prozent bis 1988 garantiert wird. Die ECU-Einlagen können jederzeit ohne vorhergehende Kündigung liquidiert werden.

Der ECU (European Currency Unit) ist eine Kunstwährung, die sich aus den frei konvertierbaren Währungseinheiten des Europäischen Währungssystems zusammensetzt. Der ECU besitzt die Eigenschaften eines offenen Währungskorbes, in dem die nationalen Währungseinheiten mit unterschiedlichen Gewichten vertreten sind. Die Zusammensetzung des Währungskorbes wird alle fünf Jahre überprüft und notfalls verändert. Die erste Anpassung ist im vergangenen September vorgenommen worden.

Ich will Sie, meine verehrten Leser, an dieser Stelle nicht mit den Einzelheiten des Währungskorbes langweilen, sondern Sie mit den Chancen bekannt machen, die der ECU für deutsche Anleger bietet. Vorweg eines: Die Bundesbank gestattet aus rechtlichen Gründen die Führung von ECU-Konten bei deutschen Kreditinstituten nicht. Da die Beschränkung sich nicht auf den Erwerb von ECU-Geld- und Kapitalanlagen erstreckt, kann der deutsche Sparer ungehindert ECU-Titel (in der Hauptsache Anleihen) zeichnen. Die Zinsen daraus werden ihm jedoch nicht in ECU gutgeschrieben, sondern umgerechnet in Mark. Das gleiche gilt für Kapitalrückzahlungen. Wer dennoch ECU-Konten unterhalten will, kann dies über die Auslandsniederlassungen der deutschen Banken oder bei ausländischen Banken tun.

In letzter Zeit entdecken immer mehr Institutionen den ECU als Währung, in der man sich vorteilhaft verschulden kann. In der Hauptsache aus Zinsgründen. Es ist preiswerter, in ECU Geld aufzunehmen als in Dollar. Wenn sich andererseits die Anleger mit den gegenüber Dollar-Anleihen niedrigeren Zinsen der ECU-Emissionen zufrieden geben, geschieht dies wegen des eingeschränkten Währungsrisikos.