Düren

Ein Minensuchboot ist kein Minenlegboot. Das mußte der Freidemokrat Manfred Schlegel vor der Ratsversammlung in Düren einmal ganz deutlich sagen. Denn die Stadtverordneten waren von der grünen Fraktion doch glatt aufgefordert worden, die Patenschaft der Stadt Düren für das Bundeswehr-Minensuchboot "Düren" aufzukündigen.

Manfred Schlegel wollte sich nicht von seinem Patenkind trennen. "Ein Suchboot hat allein die Aufgabe zu entwaffnen." Außerdem, so argumentierte er gegen den Antrag der "sogenannten Umweltpartei", seien es gerade Minensuchboote gewesen, "die nach dem Krieg die ersten Umweltschutzaufgaben durchgeführt haben".

Die Grünen waren da ganz anderer Meinung. Sie hatten verhindern wollen, daß "der Name unserer Stadt einer Kriegsmaschinerie zur Verfügung gestellt wird", selbst wenn dies nur "im passiven Bereich" geschehe. Die Abstimmung hatten sie als Bewährungsprobe für die SPD und den mit den grünen Stimmen gewählten SPD-Bürgermeister gedacht.

Nun, das Bundeswehrschiff wird auch weiterhin für die zwischen Köln und Aachen liegende Kleinstadt werben, denn sowohl CDU ("Auch die Patenschaft für ein Minensuchboot ist ein Instrument zur Friedenssicherung") als auch die Mehrheit der SPD-Fraktion lehnten den Antrag ab.

In einer heftigen Debatte glaubte der Sozialdemokrat Wolfgang Lange sogar den Anspruch der Grünen auf Gewaltlosigkeit entlarvt zu haben. Er rieb sich an der Antragsformulierung, auch das Schiffsmodell im Foyer des Rathauses sei zu entfernen und: "zu vernichten".

In der Woche vor der denkwürdigen Abstimmung waren in der Dürener Zeitung düstere Untergangsvisionen aufgetaucht: "Grüne wollen Schiff versenken". Aber erst zwei Tage nach der Ratssitzung trat die Dürener Reservistenkameradschaft aus der Reserve: in einem Leserbrief sorgte sie sich, daß die Grünen ihre Forderung, "auf verbale Friedensanstrengungen endlich konkrete Taten folgen zu lassen", in die Tat umsetzen könnten. Die Ex-Soldaten befürchten jetzt ein "Attentat auf das Modell".

Bernd Müllender