Bäuerliches im Goldton

"Die Wiederkehr des Martin Guerre" von Daniel Vigne. Der Fall Martin Guerre, der im 16. Jahrhundert die Justiz beschäftigte, lieferte im Laufe der Jahrhunderte Stoff für ein Drama, drei Romane und eine Operette. 1982 erschien eine detaillierte Recherche der amerikanischen Geschichtsprofessorin Natalie Zemon Davis, die gerade in deutscher Sprache erschienen ist, und aus Frankreich kommt jetzt die Verfilmung des Falles in unsere Kinos. Martin Guerre war ein einfacher, unbedeutender Bauer in einem Pyrenäen-Dorf, der nur deshalb auffiel, weil es ihm an Manneskraft fehlte. Daß seine Frau schließlich doch schwanger wurde, schrieb man den exorzistischen Kräften des Pfarrers zu. Martin Guerre verließ Frau und Kind, und man hätte wohl nie von ihm gehört, wenn nicht ein anderer, Arnaud de Tilh (Gérard Depardieu), seine Identität angenommen und statt seiner Haus und Hof bewohnt und mit der Ehefrau Bertrande Guerre (Natalie Baye) das Bett geteilt hätte. Mißgunst brachte Arnaud de Tilh schließlich zu Fall. Sein phänomenales Gedächtnis und seine Redegewandtheit hätten ihn fast vor dem Galgen bewahrt, doch just zu der Urteilsverkündung tauchte der wahre Martin Guerre auf, und Arnaud war verloren. In satten Braun- und Goldtönen hat Daniel Vigne, einst Werbefilmer, diese Geschichte, zu ihrer Zeit ein unerhörtes Ereignis, verfilmt. Das bäuerliche Dorfleben kommt ausführlich ins Bild. Folkloristische Töne jedoch wurden vermieden. "Die Wiederkehr des Martin Guerre" ist eine konventionelle Inszenierung, langatmig zuweilen, kraftlos. Anne Frederiksen

Angenehme Wildnis

"Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" von Robert Zemeckis. Die Überquerung einer Hauptverkehrsstraße in ihrer Heimatstadt New York ist für die ängstliche Schriftstellerin Joan Wilder Kathleen Turner) jedesmal ein lebensgeährliches Abenteuer. Im kolumbianischen Urwald hingegen findet sie sich erstaunlich gut zurecht. Nicht nur, weil ihr ein kampferprobter Naturbursche (Michael Douglas) zur Seite steht; vor allem deshalb, weil es so harmlos zugeht in der Wildnis. Zwar gibt’s da Schlangen und Bösewichter, Stunts und Spezialeffekte, aber Zemeckis führt nur vor, reiht die Attraktionen aneinander, ohne daraus sonderlich spannende Situationen zu entwickeln. Plot und Inszenierung weisen deutliche Parallelen zu Spielbergs "Indiana Jones" auf. (Die Frage, ob da einer beim anderen etwas abgeschaut hat, ist nicht leicht zu beantworten. Zemeckis ist seit langem mit Spielberg verbandelt: er schrieb mit am Drehbuch für "1941" und führte Regie bei dem von Spielberg produzierten Film "I Wanna Hold Your Hand.") Im Gegensatz zu Spielberg aber, der pure Bewegung, fast schon abstrakte Action inszenierte, haben Zemeckis und Diane Thomas (Buch) ihrem Abenteuer eine ironischdistanzierte Rahmenhandlung aufgestülpt. Die eröffnet keine neuen Perspektiven, hemmt aber das Tempo und behindert den Rhythmus. Und sie vermittelt dem Zuschauer das beruhigende – aber trügerische – Gefühl, nicht völlig wehrlos zu sein gegen die Faszination der Kinoeffekte.

Claudius Seidl

Sehenswerte Filme

"Broadway Danny Rose" von Woody Allen. "Picasso" von Henri-Georges Clouzot. "Talking Heads: Stop Making Sense" von Jonathan Demme. "Schiff der Träume" von Federico Fellini. "Rembetico" von Costas Ferris. "Amadeus" von Milos Forman. "Trost" von Serif Gören. "Unter dem Vulkan" von John Huston. "Stranger than Paradise" von Jim Jarmusch. "Das Autogramm" von Peter Lilienthal.