DIE ZEIT

Der Sozialstaat wird zum Moloch

Er heiße Blüm, nicht Herkules, antwortete der Hausherr im Bonner Arbeits- und Sozialministerium einmal, als er zu Beginn seiner Amtszeit mit Fragen bestürmt wurde, wann und wie er die vielen Aufgaben anpacken wolle, die dort auf ihn warteten.

Alte Krämpfe

Zwei Jahre lang deutete alles darauf hin, daß die Regierung Kohl den ostpolitischen Kurs der sozial-liberalen Koalition strikt beibehalten werde.

Zeitspiegel

Frieden? Verständigung? ein tausendfaches Ja, die Deutschen stimmen mit ihrer Zunge. Was Philatelisten allenfalls von den Marken totalitärer Regime gewohnt sind, müssen sie jetzt auch von der Deutschen Bundespost ertragen: politische Propaganda, dargeboten in der Graphik eines Waschzettels.

Worte der Woche

"Die Unternehmer sollten deutlich machen, daß Rick und von Brauchitsch nicht typisch für die vielen ehrlichen Menschen im Mittelstand sind, die mit ihren Spenden für Wettbewerb unter den Parteien sorgen.

Ben Witter: Angetippt

Er ist 68er. Er leugnet sein Elitebewußtsein sogar vor sich selbst und demonstriert überall die emanzipatorische Sicht. Er besetzt, ob am Behördenschreibtisch oder im Kreisbüro der SPD, ständig Inhalte mit Begriffen, und er trägt nur wegen seines Amtes einen Schlips.

Mal mit Rechts, mal mit Links

Wie Ministerpräsident Holger Börner in Hessen den grünen Tiger reitet und von ihm abgeworfen wird – diese Zirkusnummer schlägt viele in Bann.

Partei-Spendenaffäre: Amnestie – nur durch die Hintertür

Es war wirklich ein prophetischer Satz, den der ehemalige Bundesjustizminister Jürgen Schmude in der Amnestiedebatte des Bundestages Ende Mai gesprochen hatte: "Der Anschlag ist abgewehrt, aber der Attentäter hat die Pistole nicht weggeworfen, sondern eingesteckt, um auf bessere Gelegenheit zu warten.

Uruguay: Rückkehr der Zivilisten

Unerwartet deutlich, mit knapp 39 Prozent, siegte der Kandidat der Colorado-Partei, Julio M. Sanguinetti. Der 48jährige Rechtsanwalt und Journalist, vor dem Militärputsch 1973 Minister für Erziehung und Kultur in der Regierung Bordaberry, gilt als Pragmatiker, der seine "rote" Partei als sozialdemokratisch bezeichnet – im uruguayischen Spektrum eher in der (linken) Mitte angesiedelt.

Konkurrenz und Kosmetik im Bündnis

Sich selber Beine zu stellen, darin ist das Regierungsbündnis groß. Weder die Lobgesänge auf die fortschreitende Etatsanierung noch die Hinweise auf das günstige Jahres-Hinweise zur Wirtschaftsentwicklung haben in der Haushaltsdebatte des Bundestages jene offene Flanke abdecken können, die der Flanke tionsstreit um die Belastung der Besserverdienenden aufgerissen hat.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die Junge Union, Jugendorganisation von CDU und CSU, hat Schwierigkeiten mit der Ostpolitik. Auf dem Deutschlandtag der JU unterlag der Vorstand mit einem Antrag, in dem die Westgrenze Polens als endgültig anerkannt werden sollte.

Korea: Schüsse von Nord nach Süd

Ein junger Sowjetbürger löste den schweren Zwischenfall aus. Der 22jährige Wassili Matusok, Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Pjöngjang, nutzte einen Besuch im Grenzdorf Panmunjon zur Flucht aus dem kommunistischen Machtbereich – so war er drei Tage nach dem Grenzdrama auf einem Videofilm zu vernehmen, der in einem amerikanischen Militärkrankenhaus in Seoul aufgenommen worden war.

Frankreich: Koloniale Krämpfe

Eine unruhige Insel im Stillen Ozean, östlich von Australien und genau 16 743 km von Paris entfernt: Die einheimischen Melanesier – sie nennen sich Kanaker – lernten 1774 den britischen Entdecker James Cook und seit 1853 die rüden französischen Kolonisten kennen: Zuchthäusler und Revoluzzer, die nach dem Aufstand der Pariser Kommune von 1871 dorthin verbannt worden waren.

Freunde in der Not

Zwei Dinge klemmt sich der Pariser mit Vorliebe unter den Arm: die frische baguette und die druckfrische Abendausgabe von Le Monde.

Die Rache des Rechtsstaates

Amtsrichter Werner Offenloch findet alles ganz einfach: "Ist es sozial noch erträglich, daß sich Leute hinhocken und Militärfahrzeuge an ihrer Fahrt hindern?" Offenloch verneint: "Es ist sozial nicht erträglich.

Gebeugt und gebeutelt

Die Versammlungsfreiheit als Grundrecht hat eine kurze und kampfesreiche Geschichte. Der staatsabwehrende und politische Charakter des Freiheitsrechtes wurde von den Mächtigen immer als Element unkonventioneller demokratischer Willens-Mitbildung gefürchtet.

Strafvollzug: Entbindung in Ketten

Als der kleine Manuel, 2510 Gramm schwer und 49 Zentimeter groß, am 20. Oktober um 0.48 Uhr das Licht dieser Welt erblickte, hatte seine Mutter Beate H.

Minensuchboot: Grüne Probe

Ein Minensuchboot ist kein Minenlegboot. Das mußte der Freidemokrat Manfred Schlegel vor der Ratsversammlung in Düren einmal ganz deutlich sagen.

Bürgerfragestunde: Nur Haß und Hetze

Tagesordnung und Protokoll waren genehmigt, die Regularien abgehakt, da wurden die rund 60 Zuhörer im Kieler Rathaus Zeugen eines Vorgangs, der weder auf der Tagesordnung stand noch den üblichen parlamentarischen Gepflogenheiten entsprach.

Ölpest: Schuld ist niemand

Wenn der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Kurz mit seinen Befürchtungen auch nur annähernd recht hat, dann hat sich in dem idyllisch gelegenen Hintersee im Berchtesgadener Land, im Südostzipfel Bayerns, eine Umweltkatastrophe zugetragen.

Ausweisung: Behörde ohne Gnade

Kirchen sind öffentliche Gebäude, die Polizisten auch ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl betreten können. Juristisch falsch war diese Erklärung der Hamburger Innenbehörde sicher nicht; sie war nur die Rechtfertigung einer politischen Torheit.

Gutgläubig ins Chaos

An deutschen Stammtischen ist dies seit Monaten das beliebteste Thema: Welches Auto soll es sein – mit oder ohne Katalysator? Die Dauerdiskussion blieb nicht ohne Folgen: Unsicherheit breitete sich aus.

Steuern mutiger senken

Die Bundesregierung fühlt sich durch das Jahresgutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage "eindrucksvoll" bestätigt.

Bonner Kulisse

Sein Naturell, aber auch die arg strapazierte Loyalität zum Kanzler verbieten ihm, in diesen Tagen sichtlich trübsinnig durch die Bundeshauptstadt zu laufen.

Dem Spuk ein Ende machen

Von wem werden wir eigentlich regiert? In der ohren- und nervenzerfetzenden Debatte über eine Ergänzungsabgabe als Ersatz für die verunglückte Zwangsanleihe vereinigten sich Politiker aller Parteien zu schriller Vielstimmigkeit.

Bildschirmtext: Ein Schlag gegen das System

Wer sich in den kommenden zwei bis drei Jahren dem Btx-System anschließt, gehört wegen Dummheit bestraft." Dieses vernichtende Urteil über den neuen Service der Bundespost, Bildschirmtext, war vorige Woche auf der achten Datenschutzfachtagung in Köln zu hören – aus berufenem Munde.

Energie: Eine Steuer auf Erdgas?

Die beiden Herren mögen sich offensichtlich. Jedenfalls sagt der Ruhrgas-Vorstandsvorsitzende Klaus Liesen über den Veba-Chef: "Sie wissen, daß ich Herrn von Bennigsen außerordentlich schätze, nicht nur als Person, sondern auch als Unternehmer.

Börsen-Report: Die Politik spielt mit

Die Prognosen über das wirtschaftliche Wachstum in der Bundesrepublik im Jahre 1985 klingen immer zuversichtlicher. Aus heutiger Sicht werden in vielen Bereichen auch die Unternehmensgewinne weiter steigen, nicht zuletzt dank der ins Rutschen geratenen Zinsen.

Goldener November

Alle Jahre wieder, im November, gibt’s bei Capital einen neuen Rekord: das dickste Heft aller Zeiten. 478 Seiten stark ist "das deutsche Wirtschaftsmagazin" aus dem Verlagshaus Gruner + Jahr in diesem Jahr, 32 Seiten mehr noch als 1983.

MANAGER UND MÄRKTE

Das "Goldene Lenkrad" soll künftig nur noch für Autotypen verliehen werden, die umweltfreundlich und abgasentgiftet sind. Mit dieser Zusage reagierte das Springer-Blatt Bild am Sonntag (Bann) auf die Rede des Bundesinnenministers bei der diesjährigen Verleihung der Trophäe.

Keine Hoffnung

ZEIT: Mit etwas über 7 Prozent haben wir zwar gegenwärtig den niedrigsten langfristigen Zinssatz der Welt. Trotzdem ist aber nicht nur der Nominal-, sondern auch der Realzins noch sehr hoch.

In Brasilien werden riesige Ökosysteme zerstört. Die Folgen – nicht nur für das Land selbst – sind unabsehbar: Auf zur letzten Grenze: Der Regenwald brennt

In Brasilien wird die Öffentlichkeit in diesen Monaten mit einer Serie groß aufgezogener Einweihungen in Atem gehalten. Zum Reigen der Großprojekte gehört Itaipu im Süden, jenes größte Wasserkraftwerk der Welt, dessen Stromerzeugung Staatschef Figueiredo zusammen mit General Stroessner aus Paraguay mit einem Hebeldruck in Gang setzte.

Rüstungsindustrie: Gewinn durch Verlust

Der Bund der Steuerzahler müßte Rainer Müller eigentlich mit allerhöchsten Ehren dekorieren. Denn Müller, Direktor beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz, gebührt das Verdienst, den deutschen Steuerzahlern viele Millionen Mark erspart zu haben.

Flick verdirbt das Geschäft

Mit der ihm eigenen Direktheit kommt Professor Wolfgang Kartte, der Präsident des Bundeskartellamts in Berlin, auf den Kern der Dinge zu sprechen: "Wir haben noch kein Unternehmen durch eine Entscheidung ruiniert.

Im Irrgarten der Ökonomie

Die Zunft der Nationalökonomen hat Grund, um ihren Ruf besorgt zu sein. Immer größer wird die Zahl derjenigen, die ihnen in Theorie und Praxis Versagen vorwerfen.

Finnengründungen: Einladung zum Risiko

Ein Partner für den Weg in eine neue Zukunft war bereits zur Stelle: Hans-Peter Feuerbaum, 35, promovierter Diplom-Ingenieur im Perlacher Forschungs- und Entwicklungszentrum des Konzerns.

Buchmarkt: Vom Ladenhüter zum Bestseller

Seit Mitte dieses Monats führen die drei Buchgroßhändler Könemann in Hagen, Umbreit in Stuttgart und Wegener in Hamburg neben den Originalausgaben bundesdeutscher Verlage auch unverkäufliche Restauflagen – zu erheblich verminderten Preisen.

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