Nach langem Hin und Her kommt nächstes Jahr endlich der rollstuhlgerechte Eisenbahnwaggon.

Mit dem Winterfahrplan 1985 wird die Bundesbahn ihren ersten behindertengerechten Intercity-Großraumwagen auf die Schienen bringen. Bis Ende 1986 sollen dann alle 118 derzeit im Umbau befindlichen Waggons in Betrieb sein. Die Türen dieser Wagen sind breiter als normal und mit einem automatischen Öffnungsmechanismus versehen. Im Wagen findet der Rollstuhlfahrer eine ihm angepaßte Sitzgelegenheit und auch eine behindertengerechte Toilette vor.

Damit wird nun endlich verwirklicht, was in anderen Ländern längst üblich ist und die Behindertenverbände bei uns seit langem fordern. Rollstuhlfahrer brauchen bei der Bahn, zumindest auf den längeren Strecken, nicht mehr im Gepäckwagen befördert zu werden.

Bereits im "Jahr der Behinderten" waren von der "Deutschen Eisenbahn Consult" im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die Pläne für einen rollstuhlgerechten Eisenbahnwaggon entwickelt worden. Allerdings drohte dieses Projekt zu scheitern, weil niemand die Kosten dafür übernehmen wollte, Nun hat die Bahn diese Gelder lockergemacht, nachdem die Behindertenverbände in der öffentlichkeit Protest angemeldet und den Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages eingeschaltet hatten,

Offen bleibt allerdings auch weiterhin die Frage, wie die Rollstuhlfahrer demnächst in die für sie hergerichteten Waggons hineinkommen sollen. Zwar hat eine Schweizer Firma dafür inzwischen einen speziellen Lift entwickelt, aber der kostet natürlich zusätzliches Geld, etwa 25 000 Mark pro Stück. Die Bundesbahn stehe dieser Einstiegshilfe zwar positiv gegenüber, hieß es, müsse aber sparsam haushalten,

Ein Argument, das die Behindertenverbände zwar schon oft gehört haben, das sie aber nicht mehr gelten lassen wollen. Dr. Hans Aengenendt, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Behindertengerechter öffentlicher Verkehr", meint dazu jedenfalls selbstbewußt: "Wir zahlen für die Bahnfahrt den gleichen Preis wie die Nichtbehinderten. Dann muß die Bahn also auch dafür sorgen, daß unsere Beförderung optimal gewährleistet ist."

Willi Bremkes