Keine Hoffnung

ZEIT: Mit etwas über 7 Prozent haben wir zwar gegenwärtig den niedrigsten langfristigen Zinssatz der Welt. Trotzdem ist aber nicht nur der Nominal-, sondern auch der Realzins noch sehr hoch. Sehen Sie Chancen, daß er im Gefolge amerikanischer Zinssenkungen noch weiter sinkt?

Fahning: Ich sähe Chancen, wenn der amerikanische Zinssatz sinken würde. Ich habe aber Zweifel, ob er sinken wird, weil in den Vereinigten Staaten auch 1984, selbst wenn die Korn junktur sich abschwächt, ein Budget-Defizit bestehen bleiben wird. Dieses Defizit muß finanziert werden, und damit ergibt sich eine Untergrenze für das amerikanische Zinsniveau. Dieses Zinsniveau wird bei Bestehenbleiben von Budgetdefiziten höher sein, als es sich normalerweise am Markt ergeben würde. Von dieser Konstellation her wird es auch für die Zukunft Ausstrahlungen auf den deutschen Zins geben.

ZEIT: In welcher Weise könnte die Bundesbank zur weiteren Senkung des deutschen Zinsniveaus beitragen?

Fahning: Die Deutsche Bundesbank könnte rein theoretisch zur Senkung des deutschen Zinsniveaus dadurch beitragen, daß sie ihre Stabilitätspolitik fortsetzt und dann, wenn Spielräume im kurzfristigen Bereich gegeben sind, den Marktbedingungen folgt und den kurzfristigen Zins ermäßigt. Dann würde die Spanne zwischen kurz- und langfristigen Zinssätzen größer werden, woraus sich kleine Zinssenkungsspielräume für den langfristigen Zins ergeben.

ZEIT: Es sieht so aus, als liefe die letzte Wohnungsbauwelle bald wieder aus. Muß dann nicht die sinkende Kapitalnachfrage den Zins weiter nach unten drücken?

Fahning: Wenn wir einen geschlossenen Markt hätten, ja. Da aber der Markt offen ist, wird ein Teil des anlagesuchenden Kapitals wie in der Vergangenheit den Weg ins Ausland suchen. Anlagen in den USA sind nach wie vor interessant.

ZEIT: Die privaten Sparer haben, wenn sie ihr Geld auf ein Sparkonto legten, vom hohen Zins nicht viel gehabt. Mit einem durchschnittlichen Zinssatz von drei Prozent für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist haben sie nicht viel mehr gehabt als in Zeiten niedrigerer Kapitalmarktzinsen. Wie rechtfertigen das die Banken und Sparkassen?

Keine Hoffnung

Fahning: Ich glaube, das ist nicht so sehr eine Frage der Rechtfertigung, als vielmehr des Sparerverhaltens. Der Trend zu höher verzinslichen Geldvermögensanlagen ist in der letzten Zeit erheblich stärker geworden. 1970 lag der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere am Gesamtbestand des Geldvermögens unter zehn Prozent, heute werden mehr als zwanzig Prozent aller Geldvermögen in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Das ist eine signifikante Veränderung des Anlageverhaltens. Dies ist die Reaktion des Anlegers auf den zu niedrigen Spareinlagenzins.

ZEIT: Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, daß die privaten Haushalte wegen der geringen Inflationsrate einen realen Zinsgewinn in Milliardenhöhe verbuchen könnten. Ist das nicht eine Milchmädchenrechnung? Realisieren läßt sich dieser Gewinn doch nur dann, wenn die Zinsgutschriften für den Konsum ausgegeben werden.

Fahning: Das ist völlig richtig. Ich würde das sogar erweitern und sagen, realisieren kann man den Zinsgewinn nur dann, wenn das Geld wieder ausgegeben wird, und außerdem hat die Realisierung nur einen zeitlichen Effekt. In der Vergangenheit waren die Inflationsraten höher, insofern wären bei konsumptiver Verwendung der Spargelder Verluste eingetreten. R. H.