Fahning: Ich glaube, das ist nicht so sehr eine Frage der Rechtfertigung, als vielmehr des Sparerverhaltens. Der Trend zu höher verzinslichen Geldvermögensanlagen ist in der letzten Zeit erheblich stärker geworden. 1970 lag der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere am Gesamtbestand des Geldvermögens unter zehn Prozent, heute werden mehr als zwanzig Prozent aller Geldvermögen in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Das ist eine signifikante Veränderung des Anlageverhaltens. Dies ist die Reaktion des Anlegers auf den zu niedrigen Spareinlagenzins.

ZEIT: Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat ausgerechnet, daß die privaten Haushalte wegen der geringen Inflationsrate einen realen Zinsgewinn in Milliardenhöhe verbuchen könnten. Ist das nicht eine Milchmädchenrechnung? Realisieren läßt sich dieser Gewinn doch nur dann, wenn die Zinsgutschriften für den Konsum ausgegeben werden.

Fahning: Das ist völlig richtig. Ich würde das sogar erweitern und sagen, realisieren kann man den Zinsgewinn nur dann, wenn das Geld wieder ausgegeben wird, und außerdem hat die Realisierung nur einen zeitlichen Effekt. In der Vergangenheit waren die Inflationsraten höher, insofern wären bei konsumptiver Verwendung der Spargelder Verluste eingetreten. R. H.