Von Rudolf Herfurtner

Die neue Münchner Stadtbibliothek im Kulturzentrum Am Gasteig hat einen großzügigen Eingang mit Portier, Cafeteria, Rolltreppen unter einem Glasdach, Garderobe und weitem Foyer. Kinder und Jugendliche müssen einen kleinen Seiteneingang benutzen, um an ihre Bücher zu kommen. Immerhin hatten sich die Architekten in der zweiten Ebene der Jugendbücherei einen Übergang zur Erwachsenenbibliothek ausgedacht, eine sinnfällige Idee, denn oben stehen die Bücher für die Älteren. Jetzt aber ist dieser "Übergang" mit einer dreifachen Barriere verrammelt.

Ein deutscher Taschenbuch-Verlag wirbt – vorbildlich – in einer gemeinsamen Anzeige für Erwachsenenbücher und Kinder- und Jugendliteratur. Aber wer hat es Herrn Piatti eingeblasen, die Jugendbuchautoren auf den Umschlägen nur halb so groß zu setzen wie die Namen ihrer "erwachsenen" Kollegen?

Da hätte ein neuer Schweizer Verlag die hübsche Idee, auf seine Bücher die Unterschrift der Autoren zu setzen: Bücher "mit der persönlichen Handschrift" wolle man machen. Auf den beiden Kinderbüchern im ersten Programm aber steht nur "Nagel & Kimche". Haben Irina Korschunow und Hanna Muschg keine "persönliche Handschrift"?

Im Theater sind alle Autoren gleichgestellt: jeder bekommt – sagen wir – zehn Prozent vom Eintrittspreis. Nur, bei Botho Strauß sind das zwei Mark, bei F.K. Waechter vierzig Pfennig, die großen Theater haben tausend Plätze, die Kindertheater meist nicht mal hundert. Wen wundert es da, daß – wie der Verlag der Autoren gerade festgestellt hat – neue Kinderstücke immer rarer werden?

Das gleiche gilt für das Fernsehen. Man versuche mal, für einen Kinderfilm einen Kran zu bekommen, um zum Beispiel zu zeigen, wie die Gesellschaft auf die Kinder herunterschaut: unmöglich, den Kran braucht der Sport oder Herr Rosenthal.

Das Dritte Programm des Bayerischen Fernsehens macht jeden Samstag eine Literatursendung. Irgendwann hatte irgendwer den Einfall, daß man zwei dieser 52 Sendungen der Kinder- und Jugendliteratur opfern könnte. Aber wer sollte diese Sendungen machen? Die Literaturabteilung? Weit gefehlt. Natürlich das Schulfernsehen.