Literatur zur "Wende" – "Ratgeber für die geistig-moralische Erneuerung", von B. Ronstein. – "Widerworte nach ‚Wende’-Aphorismen", von Klaus Sochatzky. Was, Sie wissen nicht, was ein "GUMEB" ist? Na, dann aber schnell vor den nächsten Spiegel: so sieht der GUMEB aus: der Geistig Und Moralisch Erneuerte Bürger. – Wird so ein Erneuerter beim Picknick aus einiger Entfernung vom Abwurf einer Atombombe überrascht, sagt er nur im Gefühl treudoofer Geborgenheit: "Toller Trick! Wenn der Film läuft, sollten wir wieder ins Kino gehen." – Das Oberhaupt der wohl prominentesten Politiker-Familie äußert sich (mit Schlips) vor’m Mikro: "... meine ich, daß die meisten (Asylanten) in ihre Heimat nach Asylilien zurückgeführt werden sollten." Im "Wald" (ohne Schlips) dagegen laviert er auf komfortabel gepflastertem Wanderpfad ein ferngesteuertes, fahrbares TV/Video-Gerät vor sich her, auf dem Bildschirm das Grün von ehedem, hinter sich seine Familie, die aus voller Brust Baumleichen und ein KKW ansingt. – Ronstein, 1951 geborener Hamburger, ist gelernter Schriftsetzer und als Zeichner Autodidakt. – Klaus Sochatzky, Pädagogik-Professor in Frankfurt, Jahrgang 1929 (vgl. ZEIT, Nr. 43, 16. Oktober 1981), veröffentlicht recht gute Aphorismen. Bei Durchsicht seiner neuesten Zettelkästen fand er nun auch eine Handvoll Notate, die aber quantitativ wie qualitativ nicht ausreichen, sein Büchlein "Widerworte nach der Wende" zu betiteln. Ein Sprüchlein wie: "Wer Kohl sät, wird Kappes ernten!, sagte der 1. Vorsitzende des Kleingärtnervereins ..." reicht als dünnes Kohl-Süppchen nicht aus, wegzuspülen, was sich da in Bonn massiv festgesetzt hat. (Verlag Rasch und Röhring, Hamburg/Zürich, 1984; 150 S., 19,80 DM; – edition fiscner im R. C. Fischer Verlag, Frankfurt, 1984; 80 S., 6,80 DM.)

Hanns-Hermann Kersten