Von Verena Auffermann

Ich möchte Sie warnen! Peter Hahn ist ein Phantast und ein Realist. Neben seinen Überzeugungen liebt er das Theater am meisten: "Ich bin ein Künstler." Und das muß er auch sein. Da der Mensch im allgemeinen die Anstrengungen mehr als das Vergnügen liebt, ist sein Arbeitstag fünfzehn Stunden lang.

Peter Hahn wippt, wenn sich Katz und Maus schon längst "Gute Nacht" gesagt haben, noch in seinen knöchelhohen Turnschuhen in die Höhe, umfährt mit der rechten Hand den schwarzen Kurzhaarkopf. Wünsche in die Tat umzusetzen, das Unmögliche möglich zu machen, das ist sein Traum vom Glück. Viele Male war ihm das schon hold, viele Male, bevor er 1979 zum Direktor des Hauses bestellt wurde, in dem das Stück vom Aufstieg und Fall seiner Direktoren ins Repertoire gehört.

Diese Theatergründung der Nachkriegszeit brachte es in den späten sechziger Jahren zu vehementem Ruhm. Damals war Peter Handke noch ein Rebell, und seine "Publikumsbeschimpfung" machte unter Claus Peymanns Regie Furore. Handke und andere hat der junge Peymann im Theater am Turm inszeniert. Politischer Aufruhr und die "glänzende" Idee der Mitbestimmung bemächtigte sich des Hauses. 1974 wurde Rainer Werner Faßbinder als Retter in der Not gedungen. Nach nur einer Spielzeit brach er auf und das Theater am Turm auseinander. Der nun herbeigerufene Schauspieler Hermann Treusch sollte und wollte einem Kinder- und Jugendtheater auf die Beine helfen. Auch dieser Plan scheiterte.

Als man 1979 Peter Hahn bat – es war am Ostermontag, und an das Telephongespräch erinnert er sich wohl sein Lebtag lang genau –, eine Konzeption für die Wiederbelebung des Theaters zu entwickeln, glaubten wohl weder die CDU-Herren im Frankfurter Römer noch der SPD-Herr im Frankfurter Kulturdezernat an den Deus ex machina. Aber Peter Hahn glaubte an sich. "Ich bin ein Einzelkämpfer, ein Wassermann, ich gehe meinen eigenen Weg."

Ist jeder, der sich begeistern kann, schon ein Träumer? Wir sitzen in einem sehr kleinen italienischen Lokal, und während ich zusehe, wie zwei Salbeiblätter langsam von den grünen Ravioli auf den weißen Tellerrand rutschen, sagt Peter Hahn anstelle von irgend etwas halbwegs Höflichem: "Rote Strümpfe mag ich nicht." Also verstaue ich den Stein des Anstoßes, so gut es geht, unter dem tablettgroßen Tisch.

Wir bereden zur Beruhigung das Wetter, das wieder einmal schrecklich ist, und schweifen bis nach Italien ab. Spielfreude im Stil der Commedia dell’Arte wiederzuerwecken, so ein Spiel im Spiel, das sei ein Plan. Die Gelenkigkeit eines Arlecchino hat er schon, überlege ich, wobei der Typ sonst nicht zu ihm paßt. "Ich mag die Offenheit, den Dialog, die Kameradschaft.