Das Geschäft mit der Pauschalreise verlief 1984 unterschiedlich. Einige Unternehmen waren zufrieden, andere machten Verluste. Dem insgesamt positiven Bild fügte der Deutsche Reisebüro-Verband (DRV) aber Schatten hinzu: Er sieht die Pauschalreise aus der eigenen Branche bedroht.

Weil Fluggesellschaften und Hotels sich zunehmend direkt an die Reisenden wenden und Linienfluggesellschaften zu Charterpreisen und in typische Feriengebiete düsen, sieht der Präsident des DRV, Otto Schneider, "die Pauschalreise in Gefahr". Damit ist einer der wenigen Markenartikel des Tourismusgewerbes bedroht.

Beim größten Pauschalreiseveranstalter, der Hannoveraner Touristik Union International, sieht man die Gefahr zwar auch, glaubt aber, die Kunden würden auch in Zukunft die Vorteile der Pauschalreise erkennen. Dank der Alterspyramide werde der Anteil jener Gäste steigen, die für Pauschalarrangements dankbar seien: ältere Bürger und Familien mit Kindern.

Die TUI hat im vergangenen Jahr knapp 2,4 Millionen Passagiere gehabt – ein Zuwachs von 2,3 Prozent. Der Gesamtumsatz stieg auf 2,43 Milliarden Mark. Dieses Ergebnis gelang dem Branchenersten trotz der Dollar- und Pesetenstärke. Das Währungsmanko konnte durch die vielen Beteiligungsfirmen vor allem in Spanien ausgeglichen werden. "Besser als noch im Frühjahr erwartet", nennt der Frankfurter Reiseveranstalter NUR Touristic das Ergebnis des am 31. Oktober beendeten Geschäftsjahres 1983/84. Dennoch sind die Verluste höher als im Vorjahr.

Die Zahl der Reiseteilnehmer aller NUR-Marken – das sind Neckermann und Reisen, Gut Reisen, Club 28, Club Aldiana und Terramar – ging weiter zurück, wenn auch diesmal nur um 0,9 Prozent auf 1 062 666 Kunden. Der Umsatz sank um 2,3 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Mark und blieb hinter dem Vorjahresergebnis und die NUR Touristic damit weiter in den roten Zahlen.

"Der Kunde pickt sich preiswerte Reisen raus", stellt das NUR-Management fest, verhehlt aber nicht, daß die Devisenentwicklung neben den Arbeitskämpfen dieses Frühjahres dem Veranstalter zu schaffen gemacht hat.

Mit dem abgelaufenen Tourismusjahr zufrieden zeigt man sich beim Branchendritten, dem Kölner Reiseveranstalter ITS. Mit insgesamt 522 840 Gästen konnte er dasErgebnis gegenüber 1983 um drei Prozent verbessern. Um drei Prozent konnte auch der Umsatz auf nunmehr 442 Millionen Mark gesteigert werden. Spitzenreiter im ITS-Angebot war Spanien mit einem Anteil von 45 Prozent.

Nicht mehr nur ins Kaufhaus, sondern vermehrt ins Reisebüro sollen ITS-Kunden in den nächsten Jahren gehen. Der Veranstalter, dessen Programm bei Kaufhof, Herde, in Selbstbedienungs-Warenhäusern und in Lotto- und Toto-Annahmestellen jetzt auch in Bayern zu buchen ist, will den Vertrieb über die selbständigen Reisebüros (bislang 500) weiter ausbauen: Die Zahl 1000 wird anvisiert. DZ