Berchtesgaden

Wenn der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Kurz mit seinen Befürchtungen auch nur annähernd recht hat, dann hat sich in dem idyllisch gelegenen Hintersee im Berchtesgadener Land, im Südostzipfel Bayerns, eine Umweltkatastrophe zugetragen. An die 60 000 Liter Heizöl sind in den rund einen Quadratkilometer großen See geflossen. Auch wenn nur, was das zuständige Lanaratsamt in Bad Reichenhall nicht mehr ausschließen kann, 40 000 Liter aus dem Heizöltank des ufernahe gelegenen Heimes des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in den Uferbereich und von da ins Wasser geflossen sind, ist der angerichtete Schaden kaum mehr reparabel. Peter Kurz: "Die Spezialfirma rechnet mit 24 Monaten für die Säuberungsarbeiten. Doch im Winter ist der See zugefroren, also dauert’s noch länger. Und – ein Liter Heizöl vergiftet schließlich eine Million Liter Trinkwasser."

Die Ölpest in dem See, der inmitten eines Naturschutzgebietes liegt und dessen Südufer an den Nationalpark grenzt, trat nicht ohne Vorwarnung ein. Bereits am 7. Mai dieses Jahres wurden in Ufernähe bei dem CVJM-Heim auf dem Wasser verräterische Ölflecke entdeckt. Eine Heizölfirma aus der Region vermochte allerdings nicht zu ergründen, woher das stinkende Naß ins klare Wasser floß, Ölsperren, Bindemittel und ein Absauggerät wurden dem permanent aus dem Ufergrund austretenden Öl nicht Herr.

Auch die Suche nach einem Leck im frei hinter dem CVJM-Haus vergrabenen Tank und dessen Leitungen blieb zunächst erfolglos. Erst eine Spezialfirma fand über einen Monat später die Ursache des Übels: In der laut Peter Kurz "20 Jahre alten" Rücklaufleitung vom Brenner zum Heizöltank wurden mehrere je drei Millimeter große Löcher entdeckt, offensichtlich Abnützungsdefekte. Doch obwohl die marode Leitung sofort abgeklemmt wurde, floß und fließt weiter Öl in den See, und zwar aus dem mit zigtausend Liter getränkten Erdreich und porösem Fels, was auch das Landratsamt nach Vorwürfen im Berchtesgadener Anzeiger nicht abstreiten konnte: "... das Erdreich gibt die Ölmenge nach und nach ab."

Mit riesigen Saugfolien und Ölsperren wird nun versucht, das drohende Unheil, nämlich einem biologisch und ökologisch "umgekippten" See, zu verhindern. Nach Peter Kurz’ Ansicht wurde zu spät gehandelt: "Die Berufsfischer beklagen bereits, Fische aus dem Hintersee seien ungenießbar und würden nach Öl stinken." Was ihn ärgert: weder Tank noch Leitungen wurden in den letzten Jahren auf ihre Dichte untersucht. Auf Seite 2 der Stellungnahme des Landratsamtes heißt es: "Denn bei diesem Schadensausmaß muß die Leitung schon lange unerkannt leck gewesen sein." Schuld an der Ölpest ist offensichtlich niemand. Eine Strafanzeige wurde bisher, so Landrat Martin Seidl (CSU), nicht gestellt. Auch nicht gegen Unbekannt. Karl Forster