Alles an diesem Buch ist wie eine Zeitschrift: Format, Photographien, Umfang. Und Buchstaben. Auch die füllen die Seiten in Zeit-Schrift, behandeln die weißen Seiten mit Filzstift, erzeugen Stadtwände für ein Gedicht. Zeitgedanken, Raumgedanken, gestreut zwischen Menschenbilder. Was die auszeichnet, ist, daß die Eigenschaften der Menschen sichtbar werden, ihre Umgebung und ihr Schatten aber verschwinden. Alle, die so ihr Bild hergaben, gehören zu den 34 000 Einwohnern des Kantons Uri, wo sie gesucht, gefunden und vor einer weißen Wand abgebildet wurden von der Züricher Photographin Doris Quarella. Die Porträts der Leute von Urs stehen, überaus gut gedruckt, mit breitem weißen Rand auf reinweißem Papier, ohne Angaben zur Person. Man guckt al die Menschen an, blättert vor und zurück, findet schließlich ein loses Leporelloblatt mit der Auflösung des Rätsels: Alle Bilder sind nochmals klein gedruckt und versehen mit Namen und Beruf. Der erste im Buch ist ein Maurer, der letzte ein Kapuziner, und dazwischen stellt sich eine Fülle von Chargen vor, vom Nationalrat über den Bauern bis zum Buchdrucker. Der dürfte seine besondere Freude an diesem Buch haben, denn es ist gut gemacht bis in den letzten kleinen Buchstaben der Typographie.

N. D.