Nach elf Jahren Militärdiktatur hat am vergangenen Sonntag Uruguay gewählt – der achte Staat Lateinamerikas, der seit 1980 zur Demokratie zurückkehrt.

Unerwartet deutlich, mit knapp 39 Prozent, siegte der Kandidat der Colorado-Partei, Julio M. Sanguinetti. Der 48jährige Rechtsanwalt und Journalist, vor dem Militärputsch 1973 Minister für Erziehung und Kultur in der Regierung Bordaberry, gilt als Pragmatiker, der seine "rote" Partei als sozialdemokratisch bezeichnet – im uruguayischen Spektrum eher in der (linken) Mitte angesiedelt.

Der Kandidat der Blancos, der anderen großen Traditionspartei, errang knapp 33 Prozent. Alberto Saenz de Zumaran trat freilich nur als Stellvertreter auf, weil der Wunschkandidat der nationalen Partei, Wilson Ferreira Aldunate, bei seiner Rückkehr nach Uruguay in Haft genommen wurde und das passive Wahlrecht verlor.

Nicht wählbar war auch der Spitzenkandidat des Linksbündnisses "Breite Front", Liber Seregni, der nach dem Putsch viele Jahre im Gefängnis saß. Dennoch haben die knapp 21 Prozent überrascht: Dem entschiedensten Gegner der Militärs hatten die Beobachter einen größeren Erfolg zugetraut. Die restlichen Stimmen entfielen auf fünf kleinere Gruppen, unter denen die Konservativen überraschend schlecht abschnitten.

Neben dem Präsidenten mußten die 2,2 Millionen Wahlberechtigten 30 Senatoren, 99 Abgeordnete, Provinzräte, Bürgermeister und Stadtverordnete bestimmen. Es war ein totaler demokratischer Neuanfang, und im März 1985 will sich das Militär in die Kasernen zurückziehen. Freilich nicht vollständig: Über einen "Nationalen Sicherheitsrat" wollen die Offiziere bei bestimmten Fragen mitentscheiden. Im Klartext heißt das: Eine neue Guerilla-Bewegung wie die tupamaros werden sie so wenig dulden wie eine kommunistische Regierungsbeteiligung oder eine Abrechnung ihrer Greueltaten.

Die Militärs hätten sich gerne früher zurückgezogen, doch der erste Versuch 1980 mißglückte: In einem Referendum lehnten zwei Drittel der Wähler eine neue Verfassung ab, die dem Militär auf Dauer Mitsprache in jeder Zivilregierung sichern sollte. Die allgemeine Wirtschaftskrise, die Uruguay nach 1980 hart getroffen hat, ließ es selbst den Falken unter den Offizieren angezeigt erscheinen, das von ihnen ruinierte Land den Parteien zu übergeben.

Sanguinetti wird eine Koalitionsregierung bilden müssen; Colorados, Blancos und Frente Amplio hatten sich schon vor der Wahl zur Zusammenarbeit verpflichtet, ohne indes ihre Hauptdifferenz beseitigen zu können: Wie wird das Militär für seine Vergangenheit zur Rechenschaft gezogen und welche Vorrechte genießt es in Zukunft?