Im zweiten Anlauf bringen Buchgroßhändler viele Titel zum Erfolg

Seit Mitte dieses Monats führen die drei Buchgroßhändler Könemann in Hagen, Umbreit in Stuttgart und Wegener in Hamburg neben den Originalausgaben bundesdeutscher Verlage auch unverkäufliche Restauflagen – zu erheblich verminderten Preisen.

Obwohl die Kooperation erst auf der Internationalen Buchmesse in Frankfurt Anfang Oktober vereinbart wurde, können die Buchhändler bereits jetzt ein "Kennenlern-Paket" ordern. Darin befinden sich zwölf Titel, die teilweise nicht einmal ein Drittel des ursprünglich gebundenen Ladenpreises kosten sollen. Für Heidi Kabels "Mit Liebe gekocht" aus dem Econ-Verlag beispielsweise werden 7,80 Mark statt ursprünglich 29,80 Mark empfohlen, Elisabeth Flickenschilds Geschichten mit dem Titel "Pony und der liebe Gott" aus dem Rowohlt-Verlag sollen 4,80 statt 12,80 Mark, und eine Anleitung für Emaillearbeiten aus der Franckh’schen Verlagsanstalt 3,80 Mark statt bisher 12,80 kosten.

Künftig wollen die Grossisten alle zwei Monate ein neues Paket mit jeweils zehn Titeln anbieten, die in einem speziellen Prospekt vorgestellt werden. Die drei Barsortimenter, die sich gegenüber den beiden Marktführern Koch, Neff und Oetinger in Stuttgart sowie Lingenbrink in Hamburg profilieren müssen, trauen sich zu, 500 bis maximal 10 000 Bücher je Titel zu verkaufen.

Die Konditionen für die Buchhändler sind attraktiv: Sie bekommen, entsprechend der Zahl der bestellten Bücher je Titel, zwischen 35 und 50 Prozent Rabatt. Die Staffel beginnt bei einer Menge von einem bis neun Exemplaren und endet bei mehr als vierzig Stück. Auch für die Verlage ist der Handel besser als gar kein Geschäft: Für Restauflagen, die sie ins "Moderne Antiquariat" abgeben, bekommen sie zwischen fünf und zwölf Prozent des früheren Ladenpreises und sparen zudem die Kosten des Einstampfens.

Die neue Offerte der drei Barsortimenter verstärkt einen Markt, auf dem sich früher weder Verleger noch Buchhändler mit Anspruch zu tummeln wagten. Das Verramschen von Restauflagen galt in der Branche als das Eingeständnis eines Mißerfolgs, den jeder haben kann, den man aber nicht öffentlich dokumentiert. Doch spätestens, seit der vorbildliche Frankfurter Suhrkamp-Verlag sich nicht scheute, die das Lager belastenden Restauflagen der renommierten Edition Suhrkamp ins Moderne Antiquariat zu geben, ist der Haut Gout verflogen. Mittlerweile gibt es kaum noch eine Buchhandlung, die nicht einen Teil ihrer Verkaufsfläche dem Modernen Antiquariat einräumt. Der Preisvergleich "früher – jetzt bringt zusätzlichen Umsatz und neue Kunden.

Die steigende Nachfrage hat die Flops der Verleger zu einer begehrten Ware werden lassen. Sie können heute weniger bieten als der Markt verlangt. Dazu hat nicht zuletzt die steigende Zahl der Modernen Antiquariate beigetragen. Während der Markt bis in die Mitte der siebziger Jahre vor einem Oligopolisten, der Wiesbadener Firma Löwit des kürzlich verstorbenen Emil Vollmer, beherrscht wurde, gibt es heute etwa zehn konkurrierende Unternehmen, deren Inhaber ihr Knowhow meist bei Löwit erworben haben.