Gedichte schreiben, nicht um Sinn zu transportieren, nein: Sprache als Rhythmus, Phonetik. Nicht Inhalt ist von Bedeutung, sondern Struktur. Geometrie. Und wenn sich die Bilder der Melodie noch unterordnen, entsteht: "poésie pure". Subversiv? Vielleicht eine der Literatur immanente Subversion. Doch wenn, nach Ludwig Hohl (den Ingold ausführlich behandelt), die Literatur die Wirklichkeit der kommenden Generation vorausträumte ...

Lesen, das heißt auch: sich spiegeln im Werk eines andern, das Gerüst (soweit möglich) entziffern, das der Autor mit seinem Text anbietet – und füllen mit Eigenem. Ingold nannte seine Gedichte schon "Spielangebote". In solchen Spielen spiegelt sich der Spieler – ein typisch männliches Bedürfnis sei dies übrigens, sich zu spiegeln, und nicht nur in Spielen, behauptet eine weibliche Figur im Text, die auch schreibt.

"Die Bücher – wie Wüsten – immer wieder – lesend – zu bereisen." Das Spiel beginnt, wenn das Buch gelesen ist, beim Wiederlesen (wozu mich das Buch förmlich verführte). Eine Reise ohne Ziel, ohne Ende, in diesen Schein, der vorgibt, Leben zu sein.