Paul Dahlke

Als gebürtiger Pommer wollte er zur See fahren. Da überredete den am 12. April 1904 als Sohn eines Musiklehrers geborenen Oberschüler ein Freund zum Bergbau-Studium. Der Praktikant unter Tage, der jede Minute zum Malen, Modellieren, Schnitzen nutzte, fühlte sich immer stärker zur Kunst gezogen. Auf die Bühne fand er über den Hörsaal: Nach sechs Semestern Philosophie, Germanistik, Theaterwissenschaft entschloß er sich mit der ihm eigenen geduldigen Konsequenz zum Schauspieler-Beruf. Was er vorher gelernt hatte, kam ihm zugute. Dieser Darsteller konnte nicht nur Rollen spielen, sondern Menschen lebendig machen. Er kroch in die Gestalten, die er verkörpern sollte. Weil er anderes als nur die Bühne kannte, erweckte er mit einem an den Figuren Hauptmanns geschulten Realismus den Lebensraum seiner Gestalten. Im Berlin Max Reinhardts ist der Debütant groß geworden, der 1931 bei der Uraufführung von Horváths "Geschichten aus dem Wienerwald" dabei war. In Berlin blieb er hängen, am Deutschen Theater bei Heinz Hilpert. Von ihm hat er die Kunst der schlanken Genauigkeit gelernt, das Erfassen einer Gestalt aus dem, was einer zu sagen hat. Wie er das dann gesagt und gemacht hat –: das zu sehen, war ein Vergnügen. Kein Polterer, eher ein leiser Nuancen-Spieler. Das hat seine Zuschauer fasziniert. Der da stand, etwa als Zuckmayers "Teufels General", war ein Proppen von Mann, der doch unter allem Embonpoint eine verletzliche Kinderseele versteckte. Aus solchen Widersprüchen lebten seine Figuren. Zuletzt sollte er vor der Kamera stehen in der Fernseh-Serie "Schwarzwaldklinik". In einer Klinik in Salzburg ist er am 23. November gestorben: Paul Dahlke, 80 Jahre alt.

Restaurations-Reform

Sein "Erfolg" in Sachen "Befreiungstheologie" – immerhin kamen doch ein paar Stimmen aus Nicht-Lateinamerika zusammen, die uns klarzumachen versuchten, daß das Aufbegehren gegen notorische Hungersnot und Ungerechtigkeit und einseitige Verteilung der irdischen Güter so christlich denn doch nicht, wohl vielmehr ziemlich marxistisch und damit des Teufels sei – hat den ehemaligen Münchner Erzbischof und jetzigen Präfekten der vatikanischen "Kongregation für die Glaubenslehre", Joseph Kardinal Ratzinger, kühn gemacht. Nicht ganz ohne Sinn für die "Wende" Praxis auch in der Kirche Karol Woitylas erfand er den Sachverhalt der "wahllosen Öffnung (der Kirche) zur Welt" und zwar durch "Übertreibung". Und so plädierte er für eine "wünschenswerte Restauration", wobei er vermutlich nicht eine bessere pasta in der Kantine des Heiligen Stuhls meinte. Als dies selbst weniger restaurativen Glaubensdiplomaten noch um einiges zu forsch war, wurde Ratzinger auch noch Sprach-erfinderisch: "Das Wort Restauration besagt in Wirklichkeit dasselbe wie Reform", verriet er den Kollegen der Zeitung 30 giorni – und konnte dann doch nicht umhin, die Katze aus dem schwarzen Sack zu lassen: "... wobei dieser letzte Begriff für uns eine andere Bedeutung hat". Nun war ja schon seit fast zweitausend Jahren klar, daß römische Theologie den Worten nur gern und zu oft eine neue, eben römische Bedeutung gibt. Nur, so deutlich hat sich noch kaum ein Purpurträger dazu bekannt. Johannes Paul II. und allen seinen Vorgängern sei Dank, daß wenigstens der Herr Ratzinger nicht auch schon ist, wie er sich wähnt – unfehlbar.

Stipendien für Photographen

Im Essener Folkwang-Museum sind derzeit erste Ergebnisse der Arbeit junger Photographen zu sehen, die mit Hilfe der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in den letzten beiden Jahren entstanden sind. Jährlich sucht eine Jury unter Bewerbern drei Stipendiaten, die je 8000 Mark erhalten, um sich über drei Monate mit einem Thema zu beschäftigen. Die ersten Themen waren: "Jugend in der Bundesrepublik 1982" und "Die Familie und andere Formen des Zusammenlebens, Bundesrepublik 1983". Außerdem finanziert die Stiftung einen angemessenen Katalog mit den Arbeiten der Stipendiaten. Die Bilder zeigen, daß der Versuch, auch photographische Bilder vorzufinanzieren, erfolgreich ist. Er sollte Nachahmer finden.

Gropiusbau: musikalisch entdeckt

Ob mit Musik alles (ein bißchen) besser geht, sogar die Internationale Bau-Ausstellung in Berlin? Probieren! dachte der Architekt Bernhard Strecker, ein einfallsreicher Mitarbeiter dieser Unternehmung, und machte daraus einen ungewöhnlichen Fall von Öffentlichkeitsarbeit. Er arrangierte acht Konzerte, deren Musik ausdrücklich für den besonderen Ort gemacht worden ist: für den großen Lichtsaal des Gropius-Baus. Albert Mangelsdorff gab ein Solokonzert auf der Posaune; man hörte ein Duett mit Stimme und Schlagzeug; das eigenwillige Jazz-Duo Goebbels und Harth trat auf; es gab Tanz, sowie türkische Pop- und Experimentalmusik. Streckers erste Hoffnung ist, daß vom Glanz der Konzerte ein Schimmer auf die IBA falle (die sich angestrengt ringsherum darzustellen versucht), seine zweite, daß Musik diesen außerordentlichen Raum einmal ganz wörtlich zum Klingen bringe. "Ich finde", sagt er, "daß dieser Bau so etwas braucht. Wir lassen gewissermaßen die Architektur sprechen" – durch die Musik, die darin gemacht wird. An diesem Freitag und Sonnabend geht der Versuch zu Ende.