Geleimt

Frieden? Verständigung? ein tausendfaches Ja, die Deutschen stimmen mit ihrer Zunge. Was Philatelisten allenfalls von den Marken totalitärer Regime gewohnt sind, müssen sie jetzt auch von der Deutschen Bundespost ertragen: politische Propaganda, dargeboten in der Graphik eines Waschzettels. Den Schaden trägt nicht die Post. Der Kinderschnack "Dein Kopf auf ’ner Briefmarke, und die Post geht pleite" verkennt, daß philatelistische Geschmacklosigkeiten keine nachteiligen Folgen für den Verursacher haben. Selbst anbiedernde und nichtssagende Politsprüche gehen reißend ab, denn sie kosten nur achtzig Pfennige und sind hinten geleimt.

Gebremste Strahler

Frankreichs Atomindustrie ist verärgert. Für das nächste Jahr hat "Electricite de France", das staatliche Energieversorgungsunternehmen, seine Bestellungen für neue Reaktoren drastisch reduziert: Statt der ursprünglich geplanten sechs oder sieben Kernkraftwerke soll nur noch ein einziges gebaut werden, und im Jahr darauf ebenfalls nur eins. Dieser kräftige Einschnitt in Frankreichs ehrgeizige Energiepläne hat einen simplen Grund: Seit Beginn der 70er Jahre ist der Stromverbrauch gesunken. "Wir kommen jetzt in die Phase, in der neue Reaktoren dazu dienen sollten, die steigende Nachfrage zu befriedigen", erklärt René Carle von der EDF. Aber die Nachfrage steigt nicht, sie sinkt.

Authentisch

Ferdinand Marcos lebt. Vor einer Woche verschwand der politisch wie gesundheitlich angeschlagene Diktator der Philippinen aus der Öffentlichkeit; in Manila hieß es, der 67jährige sei gestorben. Ein kurzer Fernsehfilm dementierte das Gerücht: 45 Sekunden lang sahen die philippinischen Fernsehzuschauer ihren Präsidenten im Pyjama hinter dem Schreibtisch sitzen. Er lebt, aber er ist krank, sonst hätte er sich bestimmt länger und in manierlicherer Gewandung präsentiert. Den Propagandaleuten in Manila war der Beweis für die Aktualität des Filmchens wichtig; darum schwenkte die Kamera vom kranken Marcos einmal auf die Titelseite einer philippinischen Tageszeitung vom Tag der Fernsehsendung. Der Film ist also keine Konserve, sondern ein glaubwürdiges Lebenszeichen. Das hier angewandte Rezept hat jetzt höchste, präsidiale Weinen, nachdem in diesem Jahr das KGB auf gleiche Weise die Authentizität seines unsäglichen Sacharow-Filmchens bewiesen hatte. Sieben Jahre ist es her, daß deutsche Terroristen den entführten Hanns-Martin Schleyer zum gleichen Zweck mit einer neuen Zeitschrift in der Hand filmten. Die RAF-Leute haben Schule gemacht.