Der ganz andere Luxus

„Unsere Bücher werden nicht ‚abverkauft‘ und nicht verramscht. Das ist auch gar nicht nötig, denn jeder, der sie in die Hand nimmt, wird sehen, daß sie ihren Preis wert sind. Sie fallen nicht auseinander, denn sie sind sorgfältig gebunden. Sie zu verwechseln, wird nicht leicht sein, denn sie tragen keine Uniform. Sie tun den Augen nicht weh, denn sie sind mit Blei gesetzt. Sie vergilben nicht, denn sie sind aus holzfreiem Papier. Sie sind nicht .eingeschweißt’, denn sie sind dazu bestimmt, geöffnet zu werden.“ So hochgemut kündigt Ex-Kursbuch-Herausgeber und Ex-Transatlantik-Konzeptionist Hans Magnus Enzensberger sein neues Spielzeug an: „Die andere Bibliothek“, die er bei dem Ex-„2001“-Hersteller Franz Greno herausgibt, Erlesenes und Handverlesenes, Entlegenes auch – mal Lukians „Lügengeschichten“, mal Seumes „Spaziergänge nach Syrakus“, mal die (Paul Bowles aufs Band gesprochenen) Lebensgeschichten des Maghrebiniers Hamed Charherdi. „Luxus ist kein Verbrechen“ sagen der in schöne (und dabei extrem billige) Bücher vernarrte Hersteller Greno, der sich in der Literaturhauptstadt Nördlingen eine fast einmalige Druckerei mit sieben alten Monotype-Setzmaschinen und einem wahren Museum an alten Schriften ausgestattet hat, und Enzensberger, der dies computer-feindliche Edelspiel einsetzen will für ein „ebenso einfaches wie ausschweifendes Programm – wir drucken nur Bücher, die wir selber lesen möchten“. Nun ist man neugierig: Wie gerne liest Hans Magnus Enzensberger sich selber; wo wird sein nächstes Buch erscheinen – eingeschweißt, numeriert, geklebt und teuer massenproduziert bei Suhrkamp oder mit Fadenheftung, Lesebändchen und im Lederschuber bei Greno? Das andere Buch – der anderen für die anderen?

Lieber Wim

Bekommen die durchs Warten allmählich erschlaffenden deutschen Wenders-Fans nun am 11. Januar 1985 „Paris, Texas“ zu sehen oder nicht? Zwei konkurrierende Verleiher, der Filmverlag der Autoren und die Tobis, versprechen das Ereignis, aber noch immer ist nicht geklärt, wer von den beiden „Paris, Texas“ ins Kino bringen wird und darf, und, wenn es Januar geworden ist, überhaupt dann noch kann. Denn wieder ist alles beim alten: Filmverlag und Tobis streiten sich, wahrscheinlich demnächst erneut vor Gericht, wer im Besitz der Verleihrechte ist. Wenders wünscht sich, daß sein Film von der Tobis herausgebracht wird, weil er sich vom Filmverlag schlecht vertreten fühlt – seine Mitgesellschafter beim Filmverlag haben ihm nun einen rührenden („Lieber Wim“) Brief geschrieben: „Gestern hieß es, Du seist in Rio de Janeiro“, wird man da aufgeklärt, und „Rudolf Augstein hat Deine Filme immer geliebt und sich Deinen Freund genannt“. Darum drohend: „Wir werden aber jede Möglichkeit, die wir haben, wahrnehmen, damit der Filmverlag alle Kraft auf den Verleih Deines Filmes verwendet.“ Dieser Kraft mißtraut Wenders, mit aller Kraft.

alpha wave

„Wenn Ruhe und Besinnung soviel bedeuten wie Abstand halten zu extremen Grenzen, so scheint das Reich der Mitte der einzige Ort, der dem ruhenden Körper und unseren Gefühls- und Denkereignissen die bestmögliche Voraussetzung bietet“, die Hamburger „Fabrik“ für ein Festival Neuer Musik, das unter dem Titel „alpha wave“ vom 13. bis 16. Dezember stattfinden wird. Auf dem Programm: Uraufführungen von Joachim Kühn und Jens-Peter Ostendorf („tempus ex machina“) sowie Gastspiele der Minimal-Music-Veteranen Terry Riley und Steve Reich.