Von Peter Christ

Nehmen wir an, eine private Hamburger Hypothekenbank sucht einen Vorstand. Der Neue soll mit einem Kollegen die Geschäfte des mittelgroßen Kreditinstituts (Bilanzsumme 5,4 Milliarden Mark) führen. Auf die Annoncen in den überregionalen Tageszeitungen meldet sich ein Kandidat, der 41 Jahre alt ist, sein zehnjähriges Studium mit dem Lehrerexamen abgeschlossen hat, nie den erlernten Beruf ausübte, eine Reihe öffentlicher Ämter innehatte und seinen letzten Posten vor acht Monaten wegen eines Trunkenheitsdeliktes verloren hat. Der Bewerber hat nie bei einer Bank gearbeitet und verfügt über keinerlei Managementerfahrungen in der Privatwirtschaft.

Keine Frage, der Mann bekäme seine Bewerbungsunterlagen umgehend zurück, mit einer freundlichen Standardantwort aus der automatisierten Textverarbeitung.

Ganz anders sieht die Realität aus, jedenfalls in Hamburg und wenn die Bank nicht privaten Aktionären, sondern der Freien und Hansestadt gehört. Die Bank gibt es und den Bewerber auch, der heißt Jörg König und soll am 2. Januar 1985 seinen Dienst bei der Hamburgischen Wohnungsbaukreditanstalt (WBK) beginnen.

Auch die Vita stimmt. König ist einer jener Parteisoldaten, die dank unermüdlicher Arbeit für die SPD Karriere gemacht haben. In geradezu atemberaubendem Tempo hangelte er sich dabei von einer öffentlichen Position zur anderen.

1972 war er wissenschaftlicher Angestellter in der Senatskanzlei, 1974 Angestellter im Bezirksamt Hamburg-Bergedorf, dann arbeitete er im Lenkungsstab für den Bau einer Trabantenstadt, die nie entstand, anschließend war er im Bezirksamt Bergedorf als Verbindungsmann zur Wirtschaftsbehörde Hamburg, 1978 wurde er Bezirksamtsleiter (Bürgermeister) in Bergedorf. Drei Jahre später näherte er sich mit der Wahl zum Landesvorsitzenden der Hamburger SPD dem Gipfel seiner Karriere, den er Ende 1982 erklomm, als er Finanzsenator wurde.

Den letzten Job übernahm er aus Parteiräson. Das schwierige Amt überforderte König. Am 1. Mai 1984 setzte er seinen Dienstmercedes in angetrunkenem Zustand gegen eine Leitplanke, floh von der Unfallstelle, belog Polizei und Öffentlichkeit. Zwei Tage später trat er zurück.