DIE ZEIT

Land des Lächelns?

Es darf wieder gelacht, oder doch wenigstens wieder gelächelt werden in diesem Lande. Was sich bisher im Schoße freudiger Ahnung verbarg, hat die Meinungsforschung nun ans Licht der Welt gebracht: Die Optimisten, lange Zeit in die Minderheitsecke verbannt, stellen heute die Mehrheit unter den Deutschen.

Bombensicher

Elfmal haben sich die "Rote Armee Fraktion" (RAF) und ihre obskuren Ableger in den letzten drei Wochen ins Gedächtnis zurückgebombt.

Europa muß jetzt handeln

Kurz nach seinem Amtsantritt fragte mich Jimmy Carter: "Können wir beide gemeinsam nicht die Mauer beseitigen?" Natürlich müssen Staatslenker in privater Unterhaltung durchaus auch umstürzende Fragestellungen miteinander erörtern; trotzdem war ich sehr verblüfft.

Enthüllung

Das herkömmliche Weltbild: Die Satelliten kreisen, bei allem Eigenleben, unverrückbar um das Sowjetsystem. Auf ihrer Umlaufbahn werden sie von den staatlichen Sicherheitsapparaten gehalten, in deren Mechanismus ein sozialistisches Regime nur bei Strafe seines Untergangs Einblicke zulassen kann.

Vorzeichen

Einen Weihnachtsstern hat uns das Max-Planck-Institut für extraterristische Physik beschert. In etwa 110 000 Kilometern Höhe setzte ein künstlicher Erdsatellit über dem Pazifik eine Wolke aus 1,25 Kilo verdampftem Barium frei.

Worte der Woche

"Die einzige Verteidigungswaffe, die wir heute besitzen, ist die Drohung: Wenn ihr Millionen unserer Menschen tötet, werden wir Millionen eurer Menschen umbringen.

Zeitspiegel

Die Jugoslawen brauchen sich nicht um die offiziell immer wieder verkündete Blockfreiheit zu scheren, wenn Meinungsforscher ihnen die international beliebte dumme Frage stellen, welche politischen Persönlichkeiten sie denn besonders schätzen.

An Amerika soll es nicht scheitern

Die am nächsten Montag und Dienstag in Genf vorgesehenen Gespräche zwischen den Außenministern Shultz und Gromyko hätten schon im vergangenen September stattfinden können.

Unsere Schlesier

Das Statistische Bundesamt zählte 1974 – jüngere offizielle Zahlen gibt es nicht – 9,4 Millionen Vertriebene in der Bundesrepublik, von denen 2,9 Millionen 1949 oder später geboren waren: Der Vertriebenenstatus vererbt sich auf die Kinder und Enkel.

Die Wunschdenker auf dem Vormarsch

Die Überschrift bleibe, aber der Inhalt sei neu – auf diese Formel werden neuerdings Sorgen über die Ostpolitik der Regierung gebracht.

Tierisch ernst

Die Deutschen geben anderen Nationen Rätsel auf mit ihrer gemütvollen Zuwendung zum Naturhaften, das sie ganz zwangslos vom leidenden, vom sterbenden Wald künden läßt: als handle es sich um Menschliches, das von Rohlingen gemeuchelt würde.

Teurer Irrtum

Seit das Bundesverfassungsgericht besteht, seit mehr als 30 Jahren, stöhnen die Richter über die Flut der Verfassungsbeschwerden, von der sie alljährlich aufs neue überschwemmt werden.

Eigentor

Was haben die Eidgenossen sich nur wieder eingebrockt mit ihrer neuen Autobahngebühr! Jeder Pkw, ob in der Schweiz oder im Ausland registriert, muß ab 1.

Moskauer Besuch in Peking: Küsse – aber keine Brüderschaft

Küsse zur Begrüßung, Umarmungen zum Abschied: Diese Demonstrationen fast vergessener Brüderlichkeit mit dem stellvertretenden sowjetischen Ministerpräsidenten Iwan Archi-Paw bei seinem neuntägigen Chinabesuch ließen Erinnerungen an die fünfziger Jahre wach werden, als ideologischer Zwist und machtpolitische Rivalität den Bund der kommunistischen Goliaths noch nicht zerrissen hatten.

Hoffnung auf den Neubeginn

Vierzehn Tage lang flatterte über ihrem kleinen Dorf ein Transparent mit dem Bild Indira Gandhis und den indischen Nationalfarben.

Kambodscha: Weihnachtsoffensive der vietnamesischen Besatzer

Mi: massivem Einsatz von Truppen und militärischem Gerät hat die vietnamesische Besatzungsstreitmacht in Kambodscha über Weihnachten ihre diesjährige Trockenzeit-Offensive gegen die Stützpunkte der kambodschanischen Widerstaadsgruppen an der Grenze zu Thailand verstärkt.

Feuerwerker und Bleigießer vom Dienst

Zwischen den Jahren geht Bonn manchmal doch in sich. Dann haben die Pflichtübungen in Rückschau und Vorschau auf die verflossenen und kommenden Monate Untertöne, wenn auch ganz verschiedene.

Rußland: Fataler Griff zur Wodkaflasche

Nicht die Rüstung des Westens, sondern der Alkoholismus im eigenen Land gefährdet die Existenz der Sowjetunion. Dieses düstere Bild entwerfen Forscher der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Nowosibirsk.

Neukaledonien: Frankreich im Zugzwang

Kann Mitterrands Emissär Edgard Pisani die Pariser Regierung von der Bürde der Neukaledonien-Frage befreien? Der kleine Restposten des französischen Kolonialreiches im Südpazifik macht der Regierung des Mutterlandes unverhältnismäßig große Schwierigkeiten.

Die grüne Reise nach Jerusalem

Eine Delegation der Grünen reiste in den Nahen Osten, besuchte den Libanon, Syrien, Jordanien und Israel. Die Reise bekräftigte die wechselseitigen Aversionen zwischen der grünen Reisegruppe und der israelischen Regierung.

Marzabotto kann nicht verzeihen

Obschon vergeben nicht vergessen bedeutet, wollen die Bürger von Marzabotto bei Bologna beides nicht unterscheiden. Mit großer Mehrheit haben sie sich auch jetzt, 40 Jahre nach dem Massenmord, von dem ihre Gemeinde betroffen wurde, gegen die Freilassung eines der Hauptverantwortlichen ausgesprochen: des damals 29jährigen Österreichers Walter Reder.

Wählerlisten: Adressen freigegeben

Nun dürfen sie also doch. Das Berliner Oberverwaltungsgericht hat den wahlkämpfenden Politikern das Recht auf die heißbegehrten Wählerlisten zugesprochen, die in unterer Instanz das Verwaltungsgericht aus datenrechtlichen Gründen unter Verschluß gehalten sehen wollte (ZEIT Nr.

Schulmuseum: Katheder und Kanonenofen

Lehrer dürfen einen Abend pro Woche auf Brautschau gehen oder an zwei Abenden, wenn sie regelmäßig zur Kirche gehen", lautet eines der "Gebote für Lehrer" von anno 1872 nachzulesen.

Alarm am Bau

Der Modetrend zu Beginn des neuen Jahres heißt "Zuversicht". Die Vertreter der meisten Wirtschaftszweige tragen mehr oder weniger ausgeprägten Optimismus zur Schau.

Wähler machen die Kurse

Geradezu beängstigend ist der in fast allen Börsenprognosen zum Ausdruck kommende Optimismus. Die Aktien werden weiter steigen und die Zinsen nochmals sinken – das ist das Fazit der meisten Expertenvoraussagen.

Fluch der bösen Tat

Auf dem Weltmarkt für Agrarprodukte ist die Europäische Gemeinschaft wegen ihrer Überschüsse zu einem Exportriesen geworden.

Weil das Kabinett schlief

Auf der Spitze der 63 Meter hohen Rakete soll ein kleines Flugzeug sitzen, ähnlich der amerikanischen Raumfähre. Eine Mini-Fähre, ein Bonsai, wie die Japaner solche Miniaturausführungen nennen und wie sie auch die Raumfähre bereits getauft haben, die zu bauen sie fest entschlossen sind.

Cognac: Nur für alte Knaben?

Not macht bekanntlich erfinderisch. Und aus einer Not heraus entstand einst auch eines der beliebtesten alkoholischen Getränke: der Cognac.

Luftfracht: Die Kunden stehen Schlange

Der Amerikaner hatte es sehr eilig: "Ich zahle Euch viel Geld, damit Ihr das Ding noch morgen über den großen Teich fliegt." Das Ding war eine Verpackungsmaschine, made in Western Germany, sechzehn Tonnen schwer, acht Meter lang und für eine Firma in Chicago bestimmt.

Mehr Mut zum Konsum

Lakaschus: Es ist wahrscheinlich, daß der private Konsum die Gesamtkonjunktur etwas mehr ankurbelt als vorher. Die Verbraucher sind wieder etwas optimistischer, und das überträgt sich auf den Konsum.

Manager im Knast

Manager verlieren gemeinhin ihren Job, wenn sie sich bei schweren Verfehlungen ertappen lassen. Für manchen Unternehmer ist dann aber nicht nur der Arbeitsplatz verloren, sie müssen mitunter auch einen großen Teil ihres Privatvermögens opfern.

Zeitraffer

Zum Jahresschluß kommen aus den Statistischen Landesämtern der Republik gute Nachrichten: Der Preisauftrieb hat sich nicht weiter beschleunigt.

Was tun, um der Zukunft eine Chance zu geben?: Lernziel: Friedfertigkeit

Ich bin Grundschullehrerin in der winzigen osthessischen Stadt Schlitz und schreibe daneben Bücher. Das ist alles. Daß mein Name in letzter Zeit bekannt wurde, erklärt sich aus den beiden Anliegen, die ich in meinen Büchern immer wieder deutlich zu machen versuche: Solidarität mit der Dritten Welt und Frieden um jeden Preis.

Literaturhinweise: Perspektiven

Ein Schüler meint: "Es gibt vielleicht so eine Grundstimmung. Zur Zeit ist das, glaube ich, so, daß kein Interesse mehr an der Schule da ist.

Lernt deutsch mit Grimm

TÄUSCHUNG, femininum, ludibria oculorum. Göthe, nachdem er für seinen zweck, den ausdruck augengespenst erwählt hat, fährt fort: das wort augentäuschungen wünschten wir ein für allemal verbannt, das auge täuscht sich nicht, es handelt gesetzlich und macht dadurch dasjenige zur realität, was man zwar dem worte, nicht dem wesen nach ein spenst zu nennen rechtigt ist.

Als wollt’s die ganze Welt satt machen

In Fontanes Roman "Cécile" sitzt eine gebildete Gesellschaft an der table d’hôte. Eginhard Aus dem Grunde, ein Privatgelehrter, spricht vom deutschen Märchen, das von ältester Zeit her ein vollkommenes Pfefferkuchenhaus kenne, sozusagen ein Pfefferkuchenhaus nur in der Idee.

Rowohlt ade?

Ernst Rowohlt, der 1908 in München seinen "ersten" Verlag gründete, hat seine literarischen und kaufmännischen Talente in einem für ihn typischen Bild beschworen: "Ich brauche mir bloß ein Manuskript an den Kopf zu hauen, dann weiß ich, ob es was für mich ist.

Zeitmosaik

Es war einmal ein Oberbürgermeister, der regierte wie ein König. Der tat die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

+ Weitere Artikel anzeigen