Sein Name hat in der Hochschulpolitik einen guten Klang: Fiebiger, Nikolaus, Professor und Präsident an der Uni Erlangen-Nürnberg. Im September 1978 – also vor über sechs Jahren – hielt er einen Vortrag, in dem er (am Beispiel Bayerns und nach Fächern differenziert) nachwies, daß der wissenschaftliche Nachwuchs auf Jahre keine Chancen haben wird: Die Haushalte stagnieren trotz großer Studentenzahlen, die Professoren sind zu jung, der Ersatzbedarf zu gering. Sein Vorschlag: Zehn Jahre lang sollte je ein Prozent der zusätzlich benötigten Professorenstellen geschaffen und später wieder eingespart werden.

Der Wissenschaftsrat und viele andere Wissenschaftsorganisationen übernahmen diesen Vorschlag. Am 30. November 1984 schloß sich die Kultusministerkonferenz an und verabschiedete einen Vorschlag an die Ministerpräsidenten, in dem ein Prozent Zusatzstellen für fünf Jahre gefordert werden. Indes: Die Ministerpräsidenten sahen schon im Oktober keine Möglichkeit, für die Überlast der Hochschulen „in erheblichem Umfang“ Zusatzmittel lockerzumachen. Es mag sein, daß das eine oder andere Bundesland einige zusätzliche Professoren (aus anderen Bildungshaushaltstiteln) finanzieren wird – aber der Fiebiger-Plan insgesamt wird am Geldmangel scheitern. Bleibt nur die Resignation?

Es bleiben nur Umschichtungen, auch innerhalb des Bildungshaushalts. Und es bleibt die Frage: Läßt sich Handlungsspielraum dadurch gewinnen, daß die vorhandenen Personalkosten vermindert oder zumindest ihr Wachsen gebremst wird? Nach meiner Überzeugung wird es keinen Handlungsspielraum ohne Solidaropfer geben können. Deshalb schlage ich vor, durch ein Bundesgesetz die Besoldung der Hochschullehrer für drei oder fünf Jahre auf dem heutigen Stand einzufrieren und durch dasselbe Bundesgesetz festzulegen, daß die Einsparungen ausschließlich zur Finanzierung zusätzlicher Hochschullehrerstellen verwendet werden dürfen. Legt man einen durchschnittlichen Zuwachs von drei Prozent zugrunde, so ergäbe dies eine Einsparung von neun beziehungsweise 15 Prozent der Stellen. Bei gut 20 000 Hochschullehrerstellen an wissenschaftlichen Hochschulen wären dies 1800 beziehungsweise 3000 zusätzliche Professuren. Freilich würde man auch den Haushalt in die Pflicht nehmen müssen, weil die Professuren mit zusätzlichen Sachmitteln verbunden sind.

Es liegt auf der Hand, daß es ähnliche Probleme auch in anderen Bereichen (Medizin, Gerichte, Schulen) gibt und diese mit ähnlichen Vorschlägen aus der Stagnation herausgeführt werden könnten. Dennoch sollte mit dem Hochschulbereich angefangen werden. Hier sind die Arbeitsbedingungen besonders gut (zusätzliche Ausstattung, Zeitsouveränität, vorlesungsfreie Zeit). Hier scheint auch die Bereitschaft am größten zu sein, auf einen Zuwachs des privaten Einkommens für eine kurze Frist zu verzichten, um dem wissenschaftlichen Nachwuchs wieder eine Chance zu geben.

Knut Nevermann

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.