/ Von Uwe Prieser

Erich Zeller stand neben der Eisfläche, dreiviertellanger dunkelblauer Wollmantel, Oberhemd, gedeckte Krawatte, auf dem Kopf die dunkelblaue Schiebermütze. Die hatte ihm einmal Marika Kilius geschenkt. Das war gestern wie vor zwanzig Jahren. Erich Zeller hat immer die gedeckten Farben bevorzugt. Und er hat sich immer an den Rand gestellt.

"Ja, Erich, ist das wirklich wahr, dies ist deine letzte Weltmeisterschaft?" Gefragt von Japanern, Kanadiern, Russen, Belgiern, Italienern im vergangenen März in Ottawa. Er lächelte sein dünnes, eisgraues Lächeln dazu. Wer näher an ihn herankam, sah, daß dieses Lächeln weder dünn noch grau war, sondern höchst lebhaft in zwei blauen Augen. Erich Zeller hat immer auf Distanz gesehen.

Es ist tatsächlich wahr. Am vergangenen Sonntag in Bremerhaven sind die deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften mit dem Tag zu Ende gegangen, an dem Erich Zeller 65 wurde. Der Bundestrainer tritt in den Ruhestand, sozusagen.

"Wo soll ich denn anfangen mit dem Erinnern", fragte er. Sein Leben war schließlich nicht bloß Kilius/Bäumler und morgens früh aufstehen und Milch trinken, wenn die anderen Wein becherten. Viele wunderten sich: Der Zeller ist ja gar nicht so. "Spröde", sagte Erich Zeller, "das war auch meine Art. Spröde vielleicht nicht mal. Wortkarg, wollen wir mal so sagen."

Das Erinnern könnte 1936 anfangen, als er das Eishockey-Publikum des SC Rießersee in den Drittelpausen als Schauläufer unterhalten hatte. Oder noch ein Jahr früher, als er bei einem Lehrgang in Mittenwald unter anderem mit dem späteren Bundes-Innenminister Maihofer um einen Platz in der Olympiamannschaft kämpfte.

Erich Zeller sagte: "Das war damals einfach ein Glücksfall. Für alle, die damit zu tun hatten." Und damit hatte das Erinnern doch erst an einem Sommertag 1957 angefangen, als Marika Kilius, Hans-Jürgen Bäumler und Erich Zeller beschlossen, ihre Talente, ihre Kräfte, ihre Zukunft zu verbinden. Und die Zeit von Kilius/Bäumler begann.